100 Jahre Frauenwahlrecht – Was hat sich getan?

Politik
Melina Sederl / 09.10.2018
Frauenrechte

2018 ist ein Jahr der Jubiläen: Der Prager Fenstersturz, die Gründung der ersten Republik, die Proteste der 1968er-Jahre und das Fußballwunder von Cordoba. Nur einige von mehreren Gedenktagen, die dieses Jahr gefeiert oder bedacht werden. Weniger mediale Aufmerksamkeit erhält eine andere Errungenschaft, die sich vor genau hundert Jahren abspielte: Die Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich.

Ein Krieg veränderte die gesellschaftliche Struktur massiv – er bringt Tod, Hunger und Elend, zieht aber oft positive Lehren mit sich, von denen die Gesellschaft nachhaltig profitieren kann. Während nach dem Zweiten Weltkrieg die Idee eines gemeinsamen Europas aufkam, wurden nach dem Ersten Weltkrieg Frauen mehr Rechte zugesprochen. In der Zeit, in der Männer in den Krieg einberufen wurden, mussten die zurückgeblieben Frauen für ein Einkommen sorgen und hielten mit ihrer Arbeitsleistung die Wirtschaft aufrecht und ihre Familie am Leben. In Folge dieser Umbruchsphase, erhielten österreichische und deutsche Frauen nach Ende des Krieges das Wahlrecht zugesprochen. Damit zählen die beiden deutschsprachigen Länder zu den ersten Nationen, in denen Frauen dieses Privileg erhalten haben.

Diese Errungenschaft liegt nun bereits hundert  Jahre zurück. Was hat sich seitdem verändert?

Auch mit dem Wahlrecht war die Gleichberechtigung der Frau noch lange nicht geschaffen. Dieses Ereignis sollte aber Anlass sein, uns die erkämpften Rechte der letzten hundert Jahre genauer anzusehen.

Zeitleiste der frauenrechtlichen Errungenschaften in Österreich:

1975 wurde das Familien- und Eherecht überarbeitet. Frauen dürfen ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten. Ehemänner gelten gesetzlich nicht mehr als „Oberhaupt“ der Familie.

1989 wird Vergewaltigung in der Ehe strafbar.

1990 gibt es erstmals eine Frauenministerin, gleichzeitig wird die Väterkarenz eingeführt.

1997 fordert das Frauenvolksbegehren gleichen Lohn für gleiche Arbeit und mehr Rechte für die Vereinbarung von Beruf und Familie. Fast 655.000 ÖsterreicherInnen unterschrieben das Volksbegehren.

Wie man sieht, hat sich ganz schön viel getan in den letzten hundert  Jahren. Frauen und Männer haben zumindest auf Papier die gleichen Rechte.

In Österreich besitzen mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss. Bildungsrückstand gibt es also sicherlich keinen mehr, trotzdem besteht ein großer Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau. Frauen, die ihren Lebensunterhalt in der Privatwirtschaft verdienen, erhielten 2015 brutto pro Stunde um 21,7% weniger als Männer. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt bei 7,2%. Ich will euch nicht mit unnötig vielen Zahlen langweilen, doch eines muss uns mit diesen Prozentsätzen bewusst werden – wir leben noch lange nicht in einer Gesellschaft, in der jede/r die gleichen Chancen hat.

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Was sind die Lehren der Geschichte?

Im Laufe der Jahre haben sich Frauen enorm viele Rechte erkämpft, trotzdem sind sie weiterhin in einigen Bereichen stark benachteiligt. Sind Frauen also von Natur aus nicht gleichberechtigt? Nein, denn auch wenn uns die Natur bestimmte Rahmenbedingungen auferlegt, die wir nicht ändern können, liegt es an uns, trotz oder gerade wegen der natürlichen Beschaffenheit Gleichheit im Berufsleben und in anderen Teilen unserer Gesellschaft zu schaffen. Die Ungerechtigkeiten der heutigen Zeit sind nicht natürlich, wir haben diese Gesellschaftsstrukturen im Laufe unserer Geschichte selbst erschaffen. Unsere Generation hat die Verpflichtung, diese Muster zu durchbrechen, sowie die uns vorangegangenen Generationen. Denn wenn man sich bewusst macht, was sich in den letzten hundert Jahren getan hat, wie viel können wir dann in den nächsten hundert Jahren erreichen?

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 11.12.2019 bearbeitet.

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