Andy Holzer: Blind am Gipfel des Mount Everest

Reisen
Barbara Strasser / 19.06.2018
Andy Holzer

Die Begriffe „Österreich“ und „Bergsteigen“ hört man ganz oft gemeinsam. Doch „Blind“, „Bergsteigen“ und „Österreich“ gibt es nur im Zusammenhang mit Andy Holzer - einem blinden, österreichischen Bergsteiger, der es sogar auf den Gipfel des Mount Everest geschafft hat.

Die richtige Startnummer fürs Leben

Er ist nicht nur Bergsteiger, sondern auch Motivationsredner. Mit seinen Vorträgen möchte er „den Sehenden die Augen öffnen“. Was er aber nicht will, ist, bestaunt zu werden. Durch Witz, Ehrlichkeit und Charme gewinnt er das Publikum; und auch wenn es nicht sein Ziel ist, bewundert wird er trotzdem.

andy_klemens_und_wolfi_am_mt_everest_8848m_foto_archiv_holzer.jpg

Laut eigener Aussage gibt es keine falschen oder schlechten Startnummern fürs Leben, nur richtige. Er habe nicht gewusst, dass er einen Nachteil habe, und deswegen auch nie Energie an Missgunst oder Neid verschwendet. In seiner Kindheit habe er gelernt, dass es für jeden Menschen die richtige Situation gibt. Zum Beispiel konnte er nicht mit den anderen Kindern Fußball spielen, aber wenn der Ball im Dunkeln verschossen war, konnte er helfen. Seine Eltern haben ihm immer ihr vollstes Vertrauen und mit vier Jahren auch ein Paar Ski geschenkt. „Dynamische Führung“ ist das Zauberwort Holzers, denn auch diejenigen, die vorne stehen, brauchen Führung. Und die vermutlich am meisten, da sie nicht mitbekommen, was die Hinteren brauchen und was hinter ihnen geschieht.

andy_holzer_blind_im_vorstieg_martin_kopfsguter.jpg

„Ich habe meine Blindheit einfach vergessen“

Eine der Hauptbotschaften von Andy Holzer ist, dass man auf seinen Bauch hören und seinen Weg gehen soll. Auch wenn KritikerInnen nicht an einen glauben. Der Bergsteiger, der in einem kleinen Dorf in Tirol aufgewachsen ist, musste früh lernen mit den Zweifeln anderer umzugehen. „Man muss verstehen, dass einen die anderen nicht verstehen" – das sei ihr Empathie-Problem, nicht unseres.

In seiner Jugend hat er mit dem Bergsteigen begonnen; geführt wurde er dabei von einem Bekannten. Im Dorf wurden viele kritischen Stimmen laut, die ein schlechtes Ende dieser Abenteuer prognostizierten. Andy Holzer ließ sich jedoch nicht beirren, sondern ging weiter. Er versuchte sich als Führer von Seilschaften, und zwar mit Erfolg. Heute führt er viele Touren, stand am Gipfel des Mount Everest und hat vieles erreicht, was andere für unmöglich hielten.

Auch, wenn der „blind climber“ viele Erfolge feiern konnte, hat er auch seine Tiefphasen wie jeder andere Mensch auch. In dunklen Momenten ist für Holzer Akzeptanz besonders wichtig. „Wenn man dunkle Phasen zulässt, wird die nächste dunkle Phase wieder heller werden.“

Andy Holzer hat viele Weisheiten zu teilen – im nächsten September erscheint sein zweites Buch über die Erlebnisse der letzten acht Jahre. Damit erreicht er ein weiteres seiner Ziele. „Aber ab und zu kein Ziel zu haben, ist das größte Ziel, das man haben kann. Wenn man zu zielfokussiert durchs Leben geht, übersieht man die tollen Ziele am Wegesrad.“

balanceakt_-_patmos_druck.jpg

 

 

@jugendportal auf Instagram

Jugendportal.at wurde zuletzt am 12.12.2019 bearbeitet.

Partner