Auslandsaktivismus – der Frauenmarsch in Antwerpen

Engagement
Zulla Ahmetovic / 27.03.2018
Rosa Frauendemo Antwerpen

Es ist ziemlich absurd an einem 8. März Blumen und Schokolade geschenkt zu bekommen. Nervig sind auch die Posts auf Facebook darüber, wie besonders Frauen doch wären und wie sie verwöhnt werden sollten, weil sie es ja verdienen, so als würde das im Entferntesten etwas mit dem zu tun haben, wofür der Weltfrauenkampftag tatsächlich steht. Richtig wütend macht die Tatsache, dass Frauen immer noch nicht das Gleiche verdienen wie Männer, immer noch den größten Teil der unbezahlten Reproduktionsarbeit erledigen und viel zu viele Frauen noch immer von häuslicher Gewalt betroffen sind. Wütend macht auch, wenn rechte Parteien den Feminismus als angebliche Legitimierung für ihren Rassismus missbrauchen. Wichtig ist, dass feministische Kräfte auf der ganzen Welt Systemkritik ausüben, jegliche Art von Diskriminierung vehement ablehnen, und inklusiv sind, so dass sich tatsächlich alle *Frauen (1) angesprochen, gehört und mit eingebunden fühlen.

Kapitalismus, Sexismus und Rassismus halten einander nicht nur am Leben, vielmehr nähren sie einander - davon ist die „Campagne ROSA“ überzeugt und spricht sich daher gegen Unterdrückung, gegen Sexismus und gegen Austeritätspolitik aus. ROSA entspringt einer Reihe von Protesten, die auf der ganzen Welt stattgefunden haben, um gegen sexuelle Gewalt, als auch gegen die, die Gewalt unterstützenden, ökonomischen und sozialen Ungleichheiten, zu kämpfen. In Belgien dient ROSA als Plattform für linke Gruppierungen und Individuen, die sich genau diesem Kampf verschrieben haben. Im globalen Kontext versteht sich ROSA als eine Bewegung, die gegen Unterdrückung und Unrecht reagiert und will viele Menschen mobilisieren, um Widerstand zu leisten.

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Am 8. März 2018 veranstaltete ROSA einen Frauenmarsch in Antwerpen. Unter den demonstrierenden Menschen fanden sich RepräsentantInnen verschiedener Organisationen, politische AktivistInnen, aber auch Menschen, die mit dem Frauentag bisher keine politisch-kämpferische Konnotation verbunden haben. „Ich bin mit Freundinnen hier und habe bis heute nicht gewusst, dass der Frauentag eigentlich ein Frauenkampftag ist.“, erzählt eine Studentin. Eine andere studierende Frau erläutert, dass sie den 8. März als Weltfrauenkampftag kennengelernt hat, als sie angefangen hat zu studieren.

Neben den demonstrierenden Frauen*, sind auch ganz viele Männer* mitmarschiert. Ein ROSA–Aktivist meint, dass der Kampf für Frauenrechte bedeutet, für die Rechte aller arbeitenden Menschen zu stehen. „Wenn eine Regierung keine frauen*freundliche Politik macht, dann strebt sie eine sozialwirtschaftliche Agenda an, die uns allen schadet. Wir müssen die Verletzung der Rechte einer Gruppe unserer Gesellschaft, als Verletzung unser aller Rechte behandeln.“

Eine Person, die sich jährlich am Frauenkampftag nicht verstanden fühlt, ist Ginger* (Name geändert). Ginger* verwendet die Pronomen er oder sie (Mehrzahl), macht aber am Weltfrauenkampftag üblicherweise die Erfahrung, dass über seine gewünschten Pronomen hinweggesehen wird. Menschen in seinem Umfeld gratulieren ihm zum Frauentag, was er als sehr unangenehm empfindet. Generell ist der Weltfrauenkampftag für Ginger mit transphoben Angriffen verbunden. „Dieses Jahr ist es aber schon viel besser als etwa im letzten Jahr. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen langsam sensibler werden.“

Zwei Stunden hat der Frauenmarsch in Antwerpen gedauert. Als sich die Menge langsam auslöst, beschwert sich eine ROSA-Aktivistin darüber, dass viel zu wenige StudentInnen am Marsch teilgenommen hätten. Viel mehr hätten es sein sollen. Die Kampfziele für den Marsch im nächsten Jahr stehen also schon: Viel mehr Menschen, die über den Weltfrauenkampftag Bescheid wissen, viel mehr Sensibilität gegenüber allen Frauen* und viel mehr teilnehmende StudentInnen.

 

(1) Das * soll symbolisieren, dass es sich bei Gender um eine soziale Konstruktion handelt und dass all jene, die sich als Frauen identifizieren, auch als solche anerkannt werden.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 18.11.2019 bearbeitet.

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