Besuch auf 4 Pfoten

Leben
Lisa Alzner / 04.10.2018
Hund

Theresia kommt mit dem gelben Halstuch. Für Buddy ein klares Zeichen:  Es geht ab in die Schule, der Dienst beginnt. Der vierjährige Appenzeller Sennenhund Buddy lebt in Wien. Gemeinsam mit seinem Frauchen Theresia ist er als Schulhund-Team für das Projekt „Rund um den Hund“ tätig, welches als Ziel hat, Kindern den richtigen Umgang mit Hunden näherzubringen und somit ein konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Hund zu fördern. Außerdem sollen durch das Unterrichtsprogramm Ängste abgebaut und Unfälle reduziert werden. Zur Umsetzung dieser Visionen schickt „Rund um den Hund“ speziell ausgebildete und geprüfte Hunde und -besitzerInnen wie Buddy und Theresia in Schulen und Kindergärten. Dank der Unterstützung der Wiener Stadträtin Ulli Sima, welche sich verstärkt für aktiven Tierschutz, Unfallprävention und Aufklärung im Umgang mit Hunden einsetzt, sind die Schulhundbesuche für die Kinder an Wiener Schulen und Kindergärten kostenlos.

Ursprünglich geht das Projekt auf Konrad Lorenz zurück, welcher 1977 das Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, kurz IEMT, gründete. Anlässlich des Welttierschutztages stellte dieses Institut jahrelang Arbeitsunterlagen zum Thema Hund für Volksschulen zur Verfügung, jedoch entstand mit der Zeit der Wunsch, auch lebendige Tiere in das Projekt zu integrieren. Auf diese Anfragen hin wurde das Programm „Moritz Tierschule“ ins Leben gerufen, aus welchem sich schließlich das Projekt „Rund um den Hund“, heute geleitet von Elisabeth Mannsberger, entwickelte.

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Die Pfoten sind geleckt, das Halstuch ist angebracht, die Schule wartet. Pünktlich zur großen Pause erreichen Theresia und Buddy die Volksschule. Auf den Gängen herrscht wildes Treiben, welches durch den Appenzeller Sennenhund nicht gedrosselt wird. „Ein Hund, ein Hund“, die Kinder sind kaum zu bremsen. Schließlich, beim Betreten der Klasse, ein krasser Szenenwechsel. Im Raum herrscht vollkommene Stille. Keiner spricht, keiner läuft. Alle Kinder sitzen ruhig und gespannt in einem Sesselkreis und blicken mit großen Augen auf Buddy. Die Spannung in der Luft und die unendliche Neugierde und Faszination der Kinder ist deutlich spürbar als Theresia sich gemeinsam mit ihrem Hund in die Mitte des Sesselkreises platziert. Nachdem sie sich und Buddy vorgestellt hat, geht die Hundebesitzerin mit den Kindern die richtigen Bezeichnungen für die Mitglieder der Hundefamilie durch und bespricht bekannte Hunderassen. Anschließend zeigt Theresia Bilder und die Klasse soll erkennen, wie sich der Hund auf dem jeweiligen Bild fühlt und was die ideale Reaktion des Menschen auf diesen Stimmungszustand wäre. Die Hundebesitzerin zeigt der Klasse die mitgebrachte Hundeausrüstung und auch die Sinne des Hundes und die bekanntesten Hundeberufe werden herausgearbeitet. Zu guter Letzt führen Buddy und Theresia noch einige Tricks und Kunststückchen vor, was bei den Kindern sehr gut ankommt. Das klare Highlight für die SchülerInnen bildet jedoch das Angebot der Hundebesitzerin, dass jeder der möchte, Buddy streicheln darf. Für Kindern, die Angst vor Hunden haben, besteht die Möglichkeit, eine Fliegenklatsche zu verwenden und den Hund somit zu streicheln ohne in wirklich zu berühren.

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Theresia und Buddy macht es großen Spaß, als Schulhundteam aktiv zu sein. Die Hundebesitzerin äußert sich sichtlich begeistert und erachtet das ganze Projekt als sehr sinnvoll. „Die Kinder lernen wichtige Dinge über den Umgang mit Hunden und freuen sich, wenn Hunde in die Schule kommen. Für Buddy ist jeder Schulbesuch aufregend und anstrengende Kopfarbeit und ich persönlich habe durch das Projekt auch die Möglichkeit, eine noch bessere Bindung zu meinem Hund aufzubauen“, erklärt Theresia im Interview, „Im Prinzip haben also alle etwas davon.“

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Dass die Schulbesuche vor allem im Hinblick auf das Abbauen von Ängsten der Kinder sehr hilfreich sind, können Theresia und Buddy aus zahlreichen Erfahrungen in den Klassen bestätigen. „Mein persönliches Highlight war eine Stunde in einer Volksschule in der es ein beeinträchtigtes Mädchen gab, das große Angst vor Buddy hatte“, schildert Theresia. „Anfangs ist sie in der 2. Reihe im Sesselkreis gesessen und hat alles nur von Weitem beobachtet, doch mit der Zeit hat sie dem Hund immer mehr Vertrauen geschenkt und am Ende der Stunde hat sie sich sogar getraut, Buddy mit der Fliegenklatsche zu streicheln“, erzählt die Hundebesitzerin, „das war ein ganz besonderer Moment. Je aufgeregter das Mädchen, desto ruhiger war Buddy. Er hat darauf gewartet, dass sie soweit ist.“ Genau diese Erfolgserlebnisse sind es, die Theresia am meisten Freude bereiten und weshalb sie und Buddy sich auf jede einzelne Stunde freuen.

Theresia kommt mit der Lachscreme. Für Buddy ein klares Zeichen: Feierabend. Sein Dienst als Schulhund ist hiermit beendet. Das gelbe Halstuch wird abgenommen und ab geht’s nach Hause. Schließlich brauchen auch Hunde ihre wohlverdiente Pause.

 

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 18.11.2019 bearbeitet.

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