Die Macht des Briefes

Leben
Alina Kleinbichler / 15.07.2019
Briefe

Warum wir wieder mehr Briefe schreiben sollten.

Wann hast du deinen letzten persönlich adressierten Brief verschickt oder einen solchen erhalten? - Bei den meisten von uns liegt das schon Jahre zurück. So war es auch bei mir, bis ich den Zauber der Briefe wieder für mich entdeckte. Vielleicht überzeugen die folgenden fünf Gründe auch dich:

Briefe sind persönlicher

„Menschen, die keine Briefe gewechselt haben, kennen einander nicht.“ Dieses Zitat des Schriftstellers Konstantin Raudive enthält auf jeden Fall einen wahren Kern. Während WhatsApp-Nachrichten, Telefonate, SMSen oder Sprachnachrichten meist nur kurzweilig und oberflächlich sind, liegen Briefe auf einer tiefergehenden Ebene. Sie drücken Emotionen, Gedanken, Gefühle und Stimmungen des Verfassenden aus. Außerdem benötigt es viel mehr Zeit einen Brief zu schreiben, als eine kurze Message zu verschicken. Das bedeutet, dass sich der Autor/die Autorin bewusst Zeit nimmt, die Mitteilung zu verfassen und dies heißt wiederum, dass der Empfänger/die Empfängerin dem Schreibenden sehr wichtig ist. Dies alles trägt zur persönlichen Note der Botschaft bei, die durch digitale Medien nicht erzielt werden kann.

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Briefe wirken glaubwürdiger

Ein Brief wirkt durch die Handschrift sowie die Adressierung und die Markierung des Absenders sehr glaubwürdig. Da das Speichermedium Internet dem Authentizitätsanspruch immer weniger gerecht wird, scheint dieser Vorteil durchaus attraktiv, um auf die Retro-Variante umzusteigen.

„Der Brief errötet nicht"

Dieser Ausspruch des römischen Philosophen Cicero stellt einen weiteren Pluspunkt für das Schreiben von Briefen dar. In Face-to-Face-Gesprächen kann es oft schwierig sein, die passenden Worte in einer Situation zu finden. Dafür bietet der Brief die optimale Alternative. Bevor man seine Gedanken übermittelt, hat man genügend Zeit, zu überlegen, was man dem Gegenüber unbedingt mitteilen möchte. Man kann solange nachdenken wie man möchte, seine Worte ändern und den Brief erst dann abschicken, wenn man sich sicher ist, dass man mit dem Inhalt zufrieden ist. Briefe verhindern sozusagen peinliche, unangenehme Situationen, was häufig nicht schaden kann.

Innehalten

Der Prozess des Schreibens hilft uns nachweislich Stress abzubauen. Aus diesem Grund wird das Briefeschreiben oft auch bewusst mit Erfolg als Therapieform zur Stressreduktion eingesetzt. Wir sind durch das Verfassen eines Textes unbewusst dazu gezwungen, innezuhalten und unsere Zeit zu entschleunigen. Wir werden normalerweise während des Schreibens durch nichts abgelenkt, sondern widmen unsere gesamte Aufmerksamkeit dem Brief. Bei Gesprächen, Telefonaten oder Handy-Nachrichten können diese Aspekte nicht erfüllt werden, denn diese Kommunikationssituationen sind von permanenten Ablenkungen geprägt, wie beispielsweise das Aufpoppen anderer Nachrichten, während dem Beantworten einer WhatsApp-Message.

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Der Brief als individuelles Geschenk

Während SMSen und Kurznachrichten diverser Messenger-Diensteim Normalfall nach einmaligem Lesen nicht erneut aufgerufen oder manchmal sogar gelöscht werden, bewahrt der Empfänger/die Empfängerin eines Briefes diesen fast immer auf. Die handschriftliche Botschaft ist in unserer Generation zu einer Rarität geworden, wodurch sie zu etwas Besonderem, einer Art individuellem Geschenk, wird, das man gerne aufheben und immer wieder zur Hand nehmen möchte.

Also ran an’s Schreibzeug, weil Briefe mehr können als WhatsApp und Co.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 18.11.2019 bearbeitet.

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