Europa feiern

Engagement
Lena Leibetseder / 18.05.2017
(c) Jakob Hutter

Sonntag, zwei Uhr nachmittags am Karlsplatz in Wien. Und gleichzeitig in über 100 anderen europäischen Städten. Menschen versammeln sich, um zu demonstrieren. Aber sie demonstrieren nicht gegen etwas, sie demonstrieren für die EU. Und Demonstrationen kann man die Pro-Europa Kundgebungen der BürgerInnenbewegung „Pulse of Europe“ eigentlich gar nicht nennen, sie sind mehr wie große Feste für die europäische Idee, die immer mehr Menschen in ganz Europa begeistern.

„Pulse of Europe“ lässt sich als eine Gegenbewegung zu Petry, Le Pen und Orban betrachten. Eine Bewegung, die in eine ganz andere Richtung geht als der im Moment so salonfähige Anti-EU-Populismus. Lautstark wird jeden Sonntag die Liebe zu Europa verkündet, es wird niemand ausgeschlossen, es wird vor allem keine politische Partei kritisiert oder unterstützt.

Die Menge ist vielfältig, doch überraschend ist vor allem der hohe Anteil an jungen Menschen, die für ein geeintes Europa eintreten. So auch Julia, 21, die spontan aus Linz zur Kundgebung anreiste. „Ich war ziemlich überrascht von der Stimmung, es ist alles so friedlich und die Leute sind so motiviert!“ Während Julia weiterredet, wird klar, wie sehr sie für Europa brennt. „Ich will, dass der europäische Gedanke wieder sichtbar wird. Europa bedeutet für mich Freiheit. Eine Freiheit, die ich nicht so einfach aufs Spiel setzen will.“

 

(c) Julia Rippatha

 

Hörbar begeistert von der Stimmung ist auch Jakob, 16. „Das ist so ein Feeling – du steigst aus der U-Bahn aus, da steht einfach ein 60-jähriger Mann mit einer EU-Flagge. Das hab ich echt toll gefunden.“ Auch die verschiedenen Menschen, die während der Kundgebung kurze Reden halten, beeindrucken ihn. „Du spürst eine Flamme für Europa in dir, wenn der Enthusiasmus in Worte gefasst wird. Europa ist viel mehr als der Binnenmarkt.“

Vor allem für junge Menschen bietet die EU mit ihren zahlreichen Programmen viele Möglichkeiten und Chancen, die der 19-jährige Kay ausnutzt. Er verbringt derzeit mit dem europäischen Freiwilligendienst Erasmus+ ein Jahr in Schweden. „Durch Schengen kann ich einfach leben und arbeiten wo ich will. Ich sehe die EU als große Familie, die zwar Problemchen miteinander hat, aber Zusammenhalt und Frieden garantiert. Vor allem das Motto der EU, „In Vielfalt geeint“, finde ich schön.“

 

(c) Jakob Hutter, EuropafreundInnen Linz

 

Trotzdem üben auch die Jugendlichen Kritik an der EU. Denn nur wer sich einen differenzierten Blickwinkel bewahrt, kann fundiert urteilen. „Wenn ich mir etwas für die Europäische Union wünschen könnte, dann wäre das, dass das Demokratiedefizit abgebaut wird, sodass das Parlament gestärkt wird.  Ich habe das Gefühl, dass im Moment noch alles sehr indirekt ist.“, sagt Kay.

Mit „Pulse of Europe“ wird ein Zeichen gegen Populismus und den Trend der Fake News gesetzt. Europa muss erhalten bleiben, damit es verbessert werden kann. Die Bewegung pocht darauf, weiteren EU-Austritten vorzubeugen. Denn wer austritt, kann Europa nicht mitgestalten und verbaut den BürgerInnen Chancen und Perspektiven.  

 

Weiterführende Links:

Pulse of Europe

Erasmus+

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 12.12.2019 bearbeitet.

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