Fernweh nach Kuba in 3,2,1...

Reisen
Angelika Wanzenböck / 31.07.2017
(c) Angelika Wanzenböck

Kuba -  ein Land zwischen verfallenen, heruntergekommen Prachtbauten, unbändiger Lebensfreude, Nationalstolz, unfassbarer Armut und zwischendurch immer wieder furchtbar hässlichen Plattenbauten. Doch gerade all das zusammen macht die Faszination, den Zauber, von Kuba aus.

 

(c) Angelika Wanzenböck

 

Denkt man an Kuba so hat man das Bild von Oldtimern, verfallenen Gebäuden und Zigarren rauchenden Kubanern und Kubanerinnen, die das Stadtbild prägen, im Kopf.

Das Leben in Kuba spielt sich größtenteils draußen ab. FreundInnen, die sich draußen unterhalten, alte Menschen, die sich draußen zum Domino spielen treffen (das populärste Spiel in Kuba), Frauen und Männer die Zigarren rauchen und Kinder die draußen Fußball spielen.

Kuba, lange Zeit von der Außenwelt abgeschottet, öffnet es sich allmählich wieder, aber immer noch kommt das Gefühl auf,  in die Vergangenheit zu reisen.

 

Ach Kuba, ein wirklich tolles Land. Wo soll ich anfangen zu erzählen? Ich könnte über meine Erlebnisse einen ganzen Roman schreiben. Aber beginnen wir mal ganz am Anfang. Mein Freund und ich hatten 2 ½ Wochen Zeit um Kuba zu erkunden. Einen ungefähren Plan hatten wir schon. Havanna war natürlich auf unserer Liste und auch Viñales war ein Muss für uns und natürlich waren ein paar Tage an irgendeinem traumhaften Karibikstrand nicht wegzudenken. Alles andere wollten wir uns offenhalten und so buchten wir auch nur die erste Unterkunft in Havanna. Aufgrund zahlreicher Recherchen habe wir uns entschieden, in sogenannten Casa Particulares zu übernachten. Casa Particulares sind Privatunterkünfte, wesentlich billiger als Hotels, sie genießen einen besseren Ruf als Hotels und man wohnt direkt bei Einheimischen, was für das Eintauchen in die Kultur super ist.

 

(c) Angelika Wanzenböck

 

Anfangs ein wenig skeptisch bezüglich der Buchung der Unterkünfte. Doch es hat sich gezeigt, dass es wahrscheinlich in keinem anderen Land so einfach ist Unterkünfte zu bekommen. Die Kubanerinnen und Kubaner verfügen über ein sehr gutes Netzwerk untereinander und so wurden wir immer an super Unterkünfte weitergeleitet.

 

Anstellen, anstellen und nochmals anstellen

Ungeduldig sollte man nicht sein, wenn man nach Kuba reist, denn egal wo man hingeht, in den Supermarkt, zum Bäcker oder Geldabheben, anstellen gehört einfach dazu.

 

Internetzugang in Kuba

Schwer vorstellbar für unsere Gesellschaft, aber in Kuba ist WLAN keine Selbstverständlichkeit. In den einzelnen Städten gibt es dann jeweils einen einzigen WLAN Hotspot bei dem alle TouristInnen und Einheimische mit ihrem Handy sitzen. Ein Internetzugang kostet in Kuba umgerechnet ca. 2 Euro und funktioniert wirklich langsam. So leistet man sich in Kuba nur Internet, wenn es überlebenswichtig ist.

 

Kein Entkommen von den rhythmischen Klängen

Egal ob man im Freien sitzt, morgens in der Unterkunft aufwacht oder am Abend im Bett liegt -  von irgendwoher trägt der Wind die melodischen Klänge der legendären kubanischen Band „Bueno Vista Social Club“ oder andere rhythmische Klänge durch die Gassen bis an unser Ohr. Besonders schwer ist es, sich nicht den Klängen hinzugeben und so lässt man sich einfach von der Musik treiben. Über musikalische Dauerbeschallung, natürlich live von einer Band gespielt, beim Abendessen in Restaurants lässt sich allerdings streiten.

 

Eine Walking Dead Kulisse?

Fährt man von Ort zu Ort vorbei an alten, verlassenen und heruntergekommenen Gebäuden, die einsam inmitten einer freien Fläche stehen, hat man unwillkürlich das Gefühl bei „The Walking Dead“ mitzuspielen. Die Kulisse wäre in Kuba an manchen Orten perfekt und so kriege ich abends manchmal doch ein wenig Angst.

 

Havanna

Havanna kann zu Beginn schon etwas überfordernd sein. Schon am Flughafen wurden wir von einer Horde Taxifahrern überfallen, die uns ein Taxi anbieten wollten, jedoch hatten wir unseren Transfer schon von Österreich aus gebucht. Unsere Fahrt legten wir in einem Oldtimer zurück. Der Drang mich anzuschnallen kam mir immer wieder: doch Sicherheitsgurte – Fehlanzeige.

 

(c) Angelika Wanzenböck

 

Bei unserer Stadtbesichtigung wurden wir ständig von Einheimischen angesprochen. Entweder wollten sie uns etwas verkaufen oder einfach nur mit uns plaudern. Diese Nähe, die die Einheimischen immer wieder suchen, die Türme von Müll in Havanna, die unfassbare Armut und die morbiden Gebäude waren am Anfang schon etwas zu viel für uns.

Erst nach einiger Zeit haben wir gelernt damit umzugehen und auch konsequent „nein“ zu sagen. Havanna war eher eine „Liebe auf den zweiten Blick“ für mich.

Wir haben Habana Vieja, die Altstadt, die UNESCO Weltkulturerbe ist, Centro Habana und Habana Vedado besichtigt. Sofort fällt auf, dass die Altstadt sehr gepflegt ist und umso größer ist der „Schock“ wenn man ein wenig abseits der touristischen Pfade geht. Noch höhere Müllberge, Häuser in denen unmöglich wer wohnen kann, aber es wohnen Familien darin und viele Einheimische, die vor ihren Häusern sitzen und uns mit ihren Blicken taxieren. Das gibt meinem Freund und mir dann doch zu denken, aber diesen Gedanken schieben wir dann doch wieder beiseite und weiter geht es mit unserer Besichtigungstour.

 

Eskalation der Hähne

Mitten einer Millionenstadt wie Havanna wurden wir morgens vom Krähen der Hähne geweckt. In der ländlichen Gegend wie Viñales rechne ich mit sowas, aber in einer Großstadt eher nicht. Da stellt sich natürlich die Frage, woran das liegt? Getrieben von dieser Neugier habe ich unsere Vermieterin gefragt. Aufgrund des noch immer nicht sehr guten Zugangs zu Lebensmitteln halten sich zahlreiche Kubanerinnen und Kubaner Hühner und Hähne in ihrem Haus und so ist es nicht verwunderlich, dass uns immer wieder diese Tiere auf der Straße begegnen.

 

Kuba hautnah

Diese kleine Geschichte muss ich erzählen. Mein Freund und ich haben die Universität in Havanna besichtigt, saßen auf der Mauer und haben in unserem gelesen, da kam ein Mann zu uns und hat begonnen mit uns zu plaudern. Im weiteren Verlauf des Gesprächs hat sich herausgestellt, dass er Professor in kubanischer Geschichte ist und an der Universität unterrichtet. Spontan hat er uns angeboten uns die Universität zu zeigen, da seine Vorlesung erst in einigen Stunden begann. Dabei hat er uns, wie es sich für einen Professor in Geschichte gehört, etwas über die kubanische Revolution erzählt. Da immer noch etwas Zeit übrig war, hat er uns weitergeführt, weg von der Universität bis ins Künstlerviertel Callejon de Hamel. Der Weg dorthin war untermauert mit Geschichte hauptsächlich zur Revolution. Bildung und Gesundheit zählen zu den besten Errungenschaften der Revolution. Die Alphabetisierungsrate in Kuba zählt zu den besten Lateinamerikas und ist sogar vor Amerika. Bildung ist in Kuba kostenlos, jedoch verdient der Durchschnittskubaner zwischen 10 und 20 CUP im Monat. Obwohl die Mieten in Kuba sehr billig sind, gestaltet sich die Lebensmittelbeschaffung mit so wenig Geld im Monat durchaus schwierig. Deshalb wechseln viele Kubanerinnen und Kubaner in die Tourismusbranche, denn damit lässt sich wesentlich mehr Geld verdienen - mehr als ein Professor oder ein Arzt.

Erwähnenswert finde ich, dass er kein Geld für seine Führung wollte, er wollte einfach nur sein Wissen mit uns teilen und uns sein Heimatland näherbringen.

 

Viñales

Rote Erde, Tabakfelder, Bauern mit Zigarren im Mund, die mit ihren Pferdekarren durch die Straßen reiten und eine unglaubliche Landschaft - so lässt sich Viñales beschreiben.

Wir verbrachten drei Nächte in dieser bezaubernden Umgebung,  natürlich wieder in einem Casa Particulares mit Ausblick auf die typisch für diese Umgebung abgerundeten Berge.  

Unseren ersten Tag verbrachten wir auf der traumhaften Insel. Türkises Wasser, ein weißer Sandstrand und viele ruhige Plätze - so lässt sich die Cayo Levisa beschreiben. Am zweiten Tag machten wir eine Wanderung durch das Tal Valle de Viñales mit Besuch einer Tabakplantage und einer Kaffeeplantage.

 

Trinidad

Ich kann die schöne Stadt Trinidad nicht annähernd so treffend beschreiben wie ein Bild das kann.

 

(c) Angelika Wanzenböck

 

In Trinidad waren wir im Parque el Cubano wandern und anschließend beim Javira Wasserfall schwimmen. Die Zahl der Touristen hielt sich in Grenzen, aber es waren genauso viele, dass ich beim Baden nicht alleine war und meine irrationale Angst vor Monstern in vollem Ausmaß zum Vorschein kommt.

 

(c) Angelika Wanzenböck

 

Varadero

In Varadero verbrachten wir unsere letzten drei Nächte bevor es anschließend wieder nach Österreich ging. Varadero gilt als das Touristenziel schlecht hin und hat wenig von dem echten Kuba, wie wir es in den anderen Städten erlebt haben zu bieten. Alles ist ein wenig Fassade und wirkt künstlich. Der Weg zum Flughafen wurde extra für TouristInnen hübsch gemacht. Eine Allee säumt die Straße und die Fahrbahn ist ohne Schlaglöcher und perfekt instandgehalten. Ich persönlich habe mich in Varadero nicht so wohl gefühlt.

Trotzdem zählen die Nordstrände Kubas zu den schönsten der Karibik und der Strand und das unfassbare blaue Wasser in Varadero sind trotz allem einen Besuch wert. Meiner Meinung nach sind 3 Nächte in Varadero nur für Strandliegen und Sonnenbaden vollkommen in Ordnung, aber man sollte sich nicht das echte Kuba erhoffen.

 

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 12.12.2019 bearbeitet.

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