Generation Fragezeichen

Leben
Melina Sederl / 25.07.2018
Fragezeichen

Die Planlosigkeit – ein häufig auftretendes Phänomen bei Jugendlichen. Wissen wir einfach nicht, was wir wollen oder ist unsere Generation offener für die Vielzahl an Möglichkeiten, welche das Leben für uns bereithält?

„Was willst du denn einmal werden?“ Eine Frage, die man schon als Kind gestellt bekommt, die aber mit den Jahren immer schwieriger zu beantworten wird. Als junges Mädchen ist die Antwort noch kinderleicht und zwischen den ständig wechselnden Traumberufen wollte ich einfach nur groß, schlau und erwachsen werden. Dann würde ich schon die richtigen Entscheidungen treffen und irgendwann würde der Moment kommen, an dem sich mir meine in Nebel gehüllte Zukunft offenbart. Achtung Spoiler: Ich wurde groß, erwachsen und …. ok, das mit dem „schlau“ hätte ich mir eigentlich sparen können, jedenfalls aber bin ich annähernd genauso planlos wie vor fünf Jahren.

Aus dem besänftigenden „Du hast ja noch Zeit mit deiner Entscheidung!“ wird mit voranschreitendem Lebensalter ein fast vorwurfsvolles „Bald solltest du dich aber entschieden haben!“ und aus sorgenlosen Kindern mit großen Träumen werden planlose Jugendliche, die mit zu vielen Fragen konfrontiert werden, auf die sie noch keine Antworten finden können.

Verängstigt von meiner eigenen Planlosigkeit, stelle ich mir die Frage, was ich einmal werden will und bin gespalten zwischen mindestens fünf verschiedenen Zukunftsbildern, die ich mir für mich vorstellen könnte. Wie soll ich mich entscheiden können in welche Richtung ich gehen will, ohne vorher zu wissen, was dieser Weg für mich bereithalten wird?

Persönlichkeitsbildung in der Schule

Um all die Fragen, die die Gesellschaft jungen Menschen stellt, beantworten zu können, muss man sich zuerst eine andere Frage stellen, die in meinen Augen noch viel wesentlicher ist: Wer bin ich denn eigentlich? Die Antwort darauf, was man in Zukunft sein will, setzt voraus, zu wissen, wer man heute ist. Genau hier würde meiner Meinung nach die Schule nachhelfen können. Persönlichkeitsbildung als Unterrichtsfach könnte SchülerInnen helfen, sich selbst besser kennenzulernen und Antworten auf Fragen zu finden. Wo liegen meine Stärken und Schwächen? Welche Werte sind mir wichtig? Wie kann ich meine Berufung finden? Mit diesen Fragen stehen Teenager so gut wie alleine da. Die Schule scheint nur eine Überbrückung zwischen Kindheit und Erwachsenenalter zu sein statt eine Vorbereitung auf die Zeit nach dem Schulabschluss. Ich wünsche mir ein Schulfach, das individuelle Interessen fördert und hilft, die Persönlichkeit der SchülerInnen zu entwickeln. Zudem sollten Jugendliche lernen, Dinge zu hinterfragen und nicht ständig selbst die Befragten zu sein. Denn nur wer die richtigen Fragen stellt, findet auch die richtigen Antworten.

Stadtplan Leben

Manchmal wünsche ich mir, mein eigener Lebensweg wäre einfach aufgezeichnet, wie der Grundriss einer Stadt auf Papier. Ich wüsste, welcher Schritt als nächstes zu tun wäre, um an mein Ziel zu gelangen, welche Abzweigung ich nehmen müsste und wo ich Gefahr laufe, einen Umweg zu gehen. Wir besitzen aber keinen persönlichen Lebensstadtplan, denn wir sind gerade erst dabei, diesen zu schreiben. Vor uns liegt eine fast leere Leinwand, die es zu bemalen gilt. Mit jeder Entscheidung zeichnen wir eine weitere Straße auf, mit jedem Umweg lernen wir dazu.

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Oft wünsche ich mir, mit tausenden Farben, Schattierungen und Mustern zu spielen ohne viel über das spätere Gesamtbild nachdenken zu müssen und mit dem einzigen Ziel, so viele Dinge wie möglich auszuprobieren. Stadtplan oder leere Leinwand – wieder bin ich gespalten zwischen zwei Vorstellungen, und eine Antwort darauf, wie man seine persönliche Berufung findet, habe ich keine. Ich denke, meine Generation ist keinesfalls einfallslos, sondern nur ein wenig überwältigt von den vielen Möglichkeiten, die uns heute offen stehen. Kein Ratschlag der Welt ersetzt die eigenen Erfahrungen und egal, ob wir nun einen genauen Plan haben oder einfach draufloszeichnen – im Endeffekt zählt das Gesamtbild, das sich aus all unseren Zeichen und Fehlern ergibt.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 11.12.2019 bearbeitet.

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