Hashtag MeToo: From social campaign to social change?

Engagement
Clara Tomschi / 12.09.2018
Grafik Portrait

„Ich bin kein Opfer, und ich stilisiere mich nicht als Opfer. Ich bin Überlebende, ich bin diejenige, die durchgekommen ist, die immer noch hier ist, die gekämpft hat, und die sich nicht das Recht nehmen lässt, zu sagen, es ist etwas passiert und das war nicht richtig.“

(Kaja Otto)

Seit geraumer Zeit trendet das Hashtag #MeToo in den so sozialen Medien, unter dem Frauen ihre Geschichte und Recovery als Opfer und Überlebende sexueller Gewalt oder Belästigungen teilen. Die Aktion schockiert, rüttelt und klärt über die Tragweite der Plattformen auf und dennoch gibt es Einwände.

Die Wurzel des Problems mit der Medien-Dynamik ist, wie brutal präsent das Opfer in der Erzählung sein muss, während der Täter passiv im Off unsichtbar bleibt. Wieder einmal müssen Frauen Missbrauch thematisieren, obwohl es als Betroffene nicht ihr Job wäre. Denn Auftreten gegen sexuellen Missbrauch ist kein Problem von Feministinnen, sondern ein „Männerproblem“. Die Schwierigkeit der brisanten Thematik ist nicht, dass Betroffene ein Problem damit haben, sich selbst als Opfer sexueller Gewalt zu sehen, sondern dass die Delinquenten ein Problem damit haben, sich als Täter zu begreifen, wodurch ein „Outing“ Risiken mit sich bringt. Nennt man den Täter, kann man mit Anzeigen wegen Verleumdung konfrontiert werden und man sollte sich vorher gut beraten lassen.

Durch die Medienpräsenz des Hashtags #MeToo können wir zumindest auf Social Media, durch unsere Facebook-Timeline mit Berichten eine deutliche öffentliche Haltung vertreten.

Auch wenn es nichts Neues ist, dass es täglich zahlreiche sexuelle Übergriffe gibt, wird durch #MeToo noch einmal deutlich gemacht, dass es längst keine Einzelfälle mehr sind, und es uns alle treffen kann. Denn Vergewaltigungen passieren nicht nur im Underground, sondern dort, wo der Männerrolle Macht zugeschrieben wird - in unserer Gesellschaft.

Und dennoch dürfte es uns allen schwerfallen, ehrlich darüber nachzudenken, wie viele Männer aus unserem Freundeskreis wohl schon eine sexuelle Gewalttat ausgeübt haben. Es übersteigt unsere Vorstellungskraft, wie viele Männer mitschuldig sind.

Im Alltag ist es umso wichtiger, dass Opfer stark aufstehen, aber auch Männer - ob in der Schule oder in der Firma. Es liegt an uns allen Mut und Stärke zu beweisen, Gewalt in der Öffentlichkeit zu thematisieren.

Wir brauchen in unserem gesellschaftlichen Change kein pauschales Verurteilen - und vor allem kein Verharmlosen. Lasst uns den Dialog suchen und das Zuhören neu lernen.

Social change scheitert nicht daran, dass sich nicht genug Frauen zu Wort melden – sondern dass sich nie genug Männer angesprochen fühlen.

 

Wo kann ich mir Hilfe suchen…

           … bei sexuellem Missbrauch?

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Weitere Beratungsstellen findest du unter:

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 17.07.2019 bearbeitet.

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