Israel: ein zynischer Steckbrief

Youth Reporter in Israel
Karla Arzberger / 16.11.2017
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Zurück in Österreich wurde mir bewusst, wie wenig meine Mitmenschen eigentlich über dieses Land wissen. Wenn ich mit meinen euphorischen Reiseerzählungen ankam und mit Worten wie Palästina oder Zionismus um mich warf, warfen mir die anderen meistens Fragezeichen zurück. Und jetzt ohne mich weiterhin zu beschweren - Israel, also was ist da jetzt genau los:

Israel - wo liegt das?

Nein, das liegt nicht in Europa. Ja, das liegt wirklich in Asien! Genauer gesagt in Vorderasien, mit Grenzen zum Libanon, zu Syrien, zu Jordanien, zum Westjordanland, zu Ägypten und auch an den Gazastreifen. Nein, deshalb muss man sich nicht fürchten dort hin zu reisen. Israel ist, anders als seine arabischen Nachbarstaaten, ein stabiler freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat und pflegt besonders gute Beziehungen zu Europa. Die haben dort Flughäfen, wo man landen kann, Häfen, an die man andocken kann und super Infrastruktur, die man im Land verwenden kann. Kein Grund zur Sorge.

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Israel - was ist das?

Die „Was ist das“ Frage habe ich bewusst so gestellt, weil einige der Fragezeichen, die mir entgegengeworfen wurden, mich besonders schockiert haben. Dass Juden mit Israel und Israel etwas mit Juden zu tun hat, war den meisten irgendwie bewusst. Das war es aber meistens auch schon.

Ja, das hat etwas miteinander zu tun. Israel ist der Staat der Juden und die jüdische Kultur und Lebensweise ist unzertrennlich mit diesem Land verbunden. Über die ganze Welt verstreut, im Laufe der Zeitgeschichte auch lange nirgends willkommen, hatten sie nämlich kein wirkliches Zuhause. Viel mehr hat der Zweite Weltkrieg es geschafft, sie aus jedem erdenklichen Land unter der Nazi-Herrschaft zu vertreiben - und zwar nicht nur, sondern sie auch systematisch zu ermorden. Das jüdische Volk begründet ihren Anspruch auf einen eigenen Staat mit dem „Selbstbestimmungsrecht“. Laut diesem waren die Juden 70 nach Christus von den Römern aus ihrer historischen Heimat, die nämlich genau der Raum des heutigen Israels ist, vertriebenen worden und ersehnten im Exil - auf der ganzen Welt - ihre Rückkehr. Sie gaben das Recht auf dieses Land niemals auf, nicht zuletzt, da es ihnen laut Bibel von Gott zugewiesen worden war. Hä, Gott? Gott = Christentum oder?

Noch ein Stück zurück: Jesus, der christliche Messias, war bekanntlich Jude und gründete erst das Christentum. Demnach versprach Gott den Juden das Land als rechtmäßige Heimat. Das erklärt auch, warum sich so viele christliche heilige Orte in Israel, dem Land der Juden, befinden, wie Betlehem, Nazareth oder Jerusalem mit der Grabeskirche.

Israel - was ist das Problem jetzt? Was ist das Problem gewesen?

„Was, wieso nach Israel reisen? Is doch voll gefährlich!“ Diese Aussage, die ich praktisch tausend mal gehört habe, muss man sich etwas differenziert ansehen. Nein, zum größten Teil ist das falsch. Israel zu bereisen ist absolut ungefährlich und kein Problem. Man wird wundervoll behandelt und das „Der-Gast-ist-König“-Prinzip gilt dort unangefochten. Doch man sollte beachten, dass es in der Geschichte und auch gegenwärtig Probleme gibt, die noch ungelöst sind oder eine andauernde Spannung erzeugen. Im kommenden Teil möchte ich auf eine dieser Spannungen eingehen, die vor allem in den westlichen Medien besprochen wurden und deren Nachwirkung auch heute noch vielen Europäern das Verständnis von Israel als gefährlichem Staat ausmacht. Was war da nochmal mit Palästina?
Leider hieß den Juden einen Ort zu geben, auch den PalästinenserInnen einen Teil zu nehmen. Als die Juden das Gebiet des heutigen Israels für sich beanspruchten, machten die AraberInnen ebenso das Selbstbestimmungsrecht geltend, denn sie leben seit rund 1300 Jahren in Palästina, demselben Gebiet. „Der Zuzug von Juden lief damals auch der panarabischen Idee zuwider. Politiker wollten eine arabische Kulturnation aller AraberInnen in einem gemeinsamen Nationalstaat schaffen, vom Atlantik bis zum Persischen Golf“, heißt es perfekt beschrieben in einem Artikel des Senders ARD, den ich als gute Grundlagenlektüre empfehlen kann und dessen Link ich unten anhängen werden. Im Jahr 1922 erhielt Großbritannien dann vom Völkerbund, der der Vorgänger der heutigen UNO war, das Mandat für Palästina. „Mandat erhalten“ leitet sich in seiner Bedeutung vom lateinischem in manum datum „in die Hand gegeben“ ab, und bezeichnet den einem Staat erteilten Auftrag, die staats- und völkerrechtlichen Interessen eines bestimmten Gebiets zu vertreten, welches selbst dazu nicht imstande ist. In unserem Fall sahen sich die Briten mit der kniffligen Aufgabe konfrontiert, die sogenannte „Balfour-Deklaration“ des Jahres 1917 zu erfüllen, in der sie sich verpflichteten, für das jüdische Volk in Palästina eine nationale Heimstätte zu fördern, aber auch andererseits zu verhindern, dass die Rechte der bereits bestehenden, nichtjüdischen Gemeinschaften in diesem Gebiet darunter leiden würden.

Die AraberInnen/PalästinenserInnen, stellten sich gegen das Mandat und sahen es als bedrohlich und völkerrechtswidrig an, während für die jüdische Gruppe unter den Briten eine zionistische Aufbauphase begann und fortan der jüdische Anteil der Bevölkerung stieg. Im Jahr 1922 waren es rund 11%, 1936 hingegen schon rund 30%. Diese Zuwanderung und der damit einhergehende Landkauf der Juden und Jüdinnen für die Besiedelung beschworen immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen.

Im Jahr 1947, brachte Großbritannien den Palästina-Konflikt vor die nun gegründeten Vereinten Nationen (UN). Die Kernfrage jedoch blieb: Wie konnte den Juden und Jüdinnen, von denen sechs Millionen durch das NS-Regime ermordet worden waren, ein ihnen zustehendes gesichertes Gebiet garantiert werden, ohne im selben Zuge die Rechte der arabischen EinwohnerInnen zu unterdrücken?

Die Antwort darauf war der Teilungsplan für Palästina: Jeder der beiden Staaten sollte aus drei voneinander abgegrenzten und durch schmale Korridore angeschlossenen Teilgebieten bestehen.

Während nicht viel mehr als ein Drittel der Bevölkerung des damaligen Palästinas Juden waren, sollte der jüdische Staat aber wegen der vielen erwarteten MigrantInnen mehr als die Hälfte des Territoriums, 54 Prozent, ausmachen. Der Großraum Jerusalem sollte unter internationaler Kontrolle stehen, somit niemandem „gehören“. Mit diesem komplizierten Plan waren weitere Auseinandersetzungen praktisch vorprogrammiert. Während die jüdische Seite den territorialen Kompromiss begrüßte, wies die arabische Seite ihn als völkerrechtswidrig zurück.

Natürlich haben sich diese territorialen Begebenheiten im Laufe der Jahre immer wieder gewandelt. Der Gazastreifen ist heute noch palästinensisches Gebiet, genauso wie die im Westen gelegene „Westbank“, wie in der nebenstehenden Abbildung zu erkennen ist.

Was soll ich mir davon jetzt merken?

Wichtig erscheint es mir auf jeden Fall sich die Basics zu merken. Vor allem, wenn man sie unbestreitbar bereits mehrere Male in der Schule gelernt hat. Außerdem sollte man lernen, besonders über problematische Berichterstattung der Medien zu reflektieren und sie nicht als gegeben hinnehmen. Ich kann jedem nur eine Reise in dieses wundervolle und von Geschichte durchzogenem Land ans Herzen legen, um sich selbst ein Bild zu machen. Eine Reise in dieses Land wird vielleicht nicht gefährlich oder grenzwertig sein, sondern vielmehr erweiternd, bereichernd und ausgleichend.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 14.08.2020 bearbeitet.

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