Jugend macht Politik: Schülerunion

Engagement
Felix Stippler / 08.06.2017
(c) pixabay

„Ich bezeichne die Schülerunion gerne auch als den größten Freundeskreis Österreichs“, erklärt Johann Katzlinger (18) beim Interview in einem Innsbrucker Kaffeehaus. Als AHS-Landesschulsprecher wurde er von den landesweiten AHS-SchulsprecherInnen gewählt und beschäftigt sich neben dem Maturastress auch als Interessensvertreter gegenüber dem Landesschulrat mit den Anliegen der Tiroler SchülerInnenschaft. Johnny trat im Wahlkampf mit dem Team „Aussicht.Aufwind“ der Schülerunion an, das alle 18 Mandate für sich gewinnen konnte. Die Schülerunion, kurz SU, ist mit über 31.000 Mitgliedern die größte SchülerInnenorganisation Österreichs und als solche bemüht, alle SchülerInnen aller Schultypen bestmöglich zu vertreten.

Besonders im Fokus der politischen Arbeit stehen Themen wie die Gesamtschul bzw. die Gesamtschulmodellregionen. Diese werden von der Schülerunion strikt abgelehnt mit dem Argument, dass durch die Abschaffung eines differenzierten Schulsystems die Förderung von individuellen Talenten verloren ginge. Denn die Schülerunion setzt sich für eine Schule ein, die auf jedeN SchülerIn individuell eingeht. Die Debatte um die Gesamtschulmodellregionen war für Johnny unter anderem dafür ausschlaggebend, sich schul- und bildungspolitisch zu engagieren. Seiner Meinung nach kann in einer Bildungsumgebung, in der auf die einzelnen Interessen und Stärken der SchülerInnen eingegangen wird, um einiges besser gelernt und gelehrt werden als in einer, in der dies nicht gegeben wird.

Wie man es von politisch interessierten und engagierten SchülerInnen nicht anders erwarten würde, steht auch die Verankerung des Faches Politische Bildung auf der Agenda der Schülerunion. Einzig in Berufsschulen ist Politische Bildung als eigenständiges Fach im Lehrplan verankert, was beweist, so der Landesschulsprecher, dass schon viel in diesem Bereich erreicht wurde. Bemängelt wird, dass Politische Bildung ansonsten häufig eine Randerscheinung des Geschichteunterrichts darstellt und stark von der Motivation der jeweiligen Lehrperson abhängig ist.

Die für viele SchülerInnen spannendste Position der Schülerunion betrifft die Feedbackkultur in der Schule. So wird von Seiten des Lehrkörpers eine so genannte „Gläserne Note“ gefordert. Dieses Konzept soll SchülerInnen die Möglichkeit geben, jederzeit in die Notengebung einer Lehrperson einsehen zu können. Dazu sind LehrerInnen zwar prinzipiell gesetzlich verpflichtet, jedoch nehmen, laut Schülerunion, in der Realität die wenigsten Lehrpersonen diese Pflicht auch wahr. Um mehr Transparenz zu erreichen sollen  bereits am Anfang des Jahres und nach Möglichkeit in Kooperation mit den SchülerInnen Lernzielkataloge, die die Inhalte des jeweiligen Schuljahres beinhalten, ausgearbeitet werden. So weiß man jederzeit auf welchen Noten man steht und in welchen Abschnitten des Lernzielkataloges man sich noch verbessern sollte.

Die Schülerunion bietet auch selbst Fortbildungsmöglichkeiten an. Auf Seminaren bringen Coaches, die selbst der Organisation angehören, anderen Mitgliedern und Interessenten die verschiedensten Soft-Skills bei. So wurden beim letztjährigen „Schülerkongress“, der mit 4 Tagen das längste Seminar ist, unter anderem Kurse in Rhetorik, Leadership und Projektmanagement angeboten. Neben den Kursen steht aber auch der soziale Aspekt im Mittelpunkt. SchülerInnen aus ganz Österreich kommen zusammen, lernen sich kennen, freunden sich miteinander an oder treffen sich seit langem wieder. Außerdem organisiert die Schülerunion regelmäßig Parties um neue Mitglieder zu gewinnen und eine Abwechslung vom Schullalltag zu bieten.

Einige ehemalige Mitglieder haben sich nach ihrer Schulzeit in der politischen Welt einen Namen gemacht. Die wohl prominentesten Beispiele sind Othmar Karas und Reinhold Lopatka. Der Schülerunion wird, gerade wegen den zahlreichen ÖVP-PolitikerInnen, die ihre politische Karriere bei der Schülerunion begonnen haben, ein nahes Verhältnis zur ÖVP nachgesagt. Mit dieser Thematik sehe man sich, so erzählt Johnny, öfters konfrontiert. Jedoch könne er aus persönlicher Erfahrung sagen, dass in der Schülerunion und in der LandesschülerInnenvertretung eine Vielfalt an politischen Standpunkten vertreten ist und die Schülerunion für ihn keinesfalls ein Nachwuchskader der ÖVP sei. Vorrangig geht es darum junge Leute für schul- und bildungspolitische Themen zu begeistern und neue, ähnlich gesinnte Leute kennen zu lernen.

Das ist der erste Beitrag einer Reihe über junge politische Organisationen, in der wir jungen interessierten Menschen die Möglichkeiten präsentieren wollen sich zu engagieren.

Falls du dich bei der Schülerunion engagieren möchtest, nimm über soziale Netzwerke wie z.B. Facebook Kontakt mit den jeweiligen Landesgruppen auf oder besuche ihre Homepage

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 16.11.2018 bearbeitet.

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