Nachbarschaftsbauch – ein Projekt für die Nachhaltigkeit und Menschlichkeit

Engagement
Selma Örge / 20.07.2016

1,3 Milliarden Tonnen. Das ist die geschätzte Menge an Lebensmitteln, die pro Jahr in der weltweiten Lebensmittelindustrie weggeworfen werden. Das entspricht einem Drittel aller genießbaren Nahrungsmittel. In Österreich sind es rund 160.000 Tonnen, die jedes Jahr im Müll landen.

Durch Zufall hatte ich bei einem 1-monatigen Aufenthalt in Amsterdam die Möglichkeit, bei Buurtbuik, übersetzt „Nachbarschaftsbauch“, einem Projekt, das sich gegen Lebensmittelverschwendung und für die Hilfe Bedürftiger einsetzt, mitzuarbeiten. Mehrmals die Woche wird bei dem von der portugiesischen „Refood“-Bewegung inspirierten Projekt Essen von Supermärkten abgeholt, das sonst weggeworfen werden würde und dann zu verschiedensten Gerichten verarbeitet. Menschen können dabei zu vier verschiedenen Standorten im Süden, Osten, Westen und Südosten Amsterdams kommen und sich bei einer Gratismahlzeit zusammensetzen. Somit wird nicht nur finanziell bedürftigen Leuten geholfen und der Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt, das Projekt gibt den Menschen auch die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und in Gesellschaft zu essen.

 

 

Aufgebaut ist Buurtbuik ganz locker und offen. Jeder kann essen und helfen kommen, es findet sich immer eine Aufgabe. Viele der rund hundert freiwilligen Helfer sind ursprünglich gekommen, um zu essen und haben sich daraufhin entschieden, dem Projekt selbst etwas beizutragen. „Meine Mutter hat immer gesagt, man soll für alles, das man bekommt, etwas zurückgeben“, erklärt mir eine Frau, als ich sie frage, wie sie zu dem Projekt gekommen ist. Ich helfe ihr dabei, Gemüse kleinzuschneiden, das sie in einem großen Topf zu einer Suppe verarbeitet.

Während unter der Woche nur Suppe gekocht wird, wird an Samstagen ein ganzes Menü aufgetischt. Dabei ist es nicht so einfach, einen Menüplan mit jeweils zwei Vorspeisen, Hauptspeisen und einer Nachspeise zu basteln, denn die Zutaten werden teilweise erst ein paar Stunden bevor die ersten Leute eintrudeln, geliefert. Mit viel Improvisation wird kurz besprochen, wer welche Aufgabe übernimmt und was gekocht wird, und dann wird auch schon losgelegt. Vier bis sechs Leute helfen beim Kochen, während ein paar das Kellnern übernehmen. Meistens bin ich in der Küche, denn es ist immer wieder aufregend, zu sehen, was am Ende aus den Lebensmitteln, die wir bekommen, entsteht. Wer noch nirgends eingeteilt ist, kann dabei helfen, Essenspakete mit Lebensmitteln zusammenzustellen, die nicht für die Gerichte verwendet werden. Diese werden nach dem Essen an die Gäste verteilt.

 

 

Die Erlebnisse, die man bekommt, wenn man bei einem Projekt wie Buurtbuik mithilft, sind unbezahlbar. Nicht nur das Kochen hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, es war auch eine tolle Erfahrung für mich, mit Leuten unterschiedlichster Herkunft und aus verschiedensten sozialen Schichten im Team zu arbeiten. Nicht selten haben mir diese Bekanntschaften geholfen, mich in Amsterdam durch beispielsweise einen Gratisbesuch im Anne-Frank-Museum oder ein geborgtes Rad, wie zu Hause zu fühlen. Da man bei Freiwilligenarbeit meist in lokale Projekte involviert ist, ist es eine der besten Arten, ein Land mit all seinen Eigenheiten und dem dortigen Lebensstil kennenzulernen.

Darum kann ich jedem nur raten: Setz dich für etwas ein, das dich interessiert. Ob man ins Ausland geht oder sich zuhause engagiert, man leistet dabei nicht nur etwas für andere. Erfolgserlebnisse, neue Kontakte, und die Chance, neue Fähigkeiten auszuprobieren, machen Freiwilligenarbeit zu einer Erfahrung der ganz besonderen Art.

 

Mehr Infos über Buurtbuik findest du hier:

www.buurtbuik.nl

Du interessierst dich für das Thema Lebensmittelverschwendung oder möchtest in Österreich aktiv werden? Hier sind ein paar Informationsquellen und Projekte, wo du dich engagieren kannst:

www.muttererde.at

www.wastecooking.at

www.foodsharing.at

www.united-against-waste.at

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 12.12.2019 bearbeitet.

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