Old school – wieso wir nie aufhören sollten, voneinander zu lernen

Engagement
Melina Sederl / 20.12.2018
Hände

Jung und Alt – Beides sind Randgruppen der Gesellschaft, die im täglichen Leben kaum miteinander näher in Kontakt treten. Auch wenn wir jungen Menschen uns oft und gerne damit preisen, offen zu sein und ohne Vorurteile auf jede Personengruppe zuzugehen, fehlt der Austausch zwischen Jung und Alt fast gänzlich. Doch was trennt uns eigentlich von früheren Generationen und gibt es trotz der Altersdifferenz auch Verbindendes?

Im Rahmen meiner Diplomarbeit versuchen meine Klassenkolleginnen und ich, die Altersbarriere zu brechen und Menschen einer anderen Generation die digitale Welt rund um den Computer näherzubringen. Dies klingt nach einer Mammutaufgabe, etwa vergleichbar damit, einem Neugeborenen Quantenphysik beizubringen. An dieser Stelle möchte ich mich natürlich aus tiefstem Herzen bei meinen „SchülerInnen“ entschuldigen, die vorherige Aussage entspricht natürlich nicht gänzlich der Wahrheit und dient nur humoristischen Zwecken.

Ohne nochmals Klischees zu bedienen, weiter im Text: In diesem Artikel soll es gar nicht spezifisch um unsere Arbeit und die damit einhergehenden Herausforderungen gehen, sondern um die Frage, wie man mehr Dialog zwischen Generationen herstellen kann. Dieser Text basiert auf einem Interview mit Frau Dorfstätter und Frau Steindl, zwei wissbegierigen und lebensfrohen Pensionistinnen.

Primär sind wir doch alle Menschen. Ein Mensch sollte nicht durch sein Geschlecht, seine Hautfarbe oder seine Religion definiert werden – wieso also auf das Alter reduzieren? Im Gespräch mit meinen „Schützlingen“ stellt sich heraus, dass überhaupt nicht so viel Unterschied zwischen den Generationen besteht, wie man anfangs glauben mag.

Auf die Frage, ob sie jungen Leuten etwas mitgeben wollen, zögern die Damen erst, eine klare Antwort zu geben, denn „nur Erfahrungen helfen durchs Leben“. Was sie im Leben in erster Linie gelernt haben sind Gelassenheit und aus Situationen stets das Beste zu schöpfen.

Außerdem meinen die aufgeschlossenen Damen, dass die Hemmungen zwischen den Generationen in unserer Gesellschaft zu groß seien. Genau aus diesem Grund wollen wir auch Initiative zeigen und mit unseren Computerworkshops das Ziel verfolgen, älteren Menschen zu ermöglichen, in die Welt der sozialen Medien und der weltweiten Vernetztheit hineinzuschnuppern. Mit jeder Fähigkeit, die wir den Damen am Computer zeigen, sollen sie sich ein Stück mehr integriert fühlen in diese neue Welt, in der wir bereits aufgewachsen sind.

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Von den Antworten auf die Frage, was die Frauen am Lernen so begeistere, könnten sich SchülerInnen und StudentInnen eine große Scheibe abschneiden. „Wenn ich nichts lerne, kann ich nichts wissen“, meint eine der Beiden und diese simple Aussage verdeutlicht gut die Neugier und Lebenslust der Pensionistinnen. Natürlich wollen die Damen mit ihrem Wissensdurst auch auf dem neuesten Stand bleiben und gleichzeitig neue Materien begreifen.

Gewiss ist nicht jede/r PensionistIn voller Wissbegierde, genauso wie nicht jede/r Jugendliche gerne für Schularbeiten und Prüfungen büffelt. Während die einen neugierig sind und so viel wie möglich wissen wollen, verschreckt man vielleicht die anderen mit Begriffen wie Facebook, Powerpoint-Präsentation oder Excel-Datenverarbeitung. Den Damen des Kneipp-Vereins kann dies aber sicher nicht passieren, besuchen sie neben den Computerunterrichtseinheiten auch Englischkurse, halten Back- und Kochkurse, bloggen oder sind sportlich aktiv. Verallgemeinerungen tragen sicher nicht zum Dialog bei und daher ist es wichtig auf die Person einzugehen und ihre Interessen in den Vordergrund zu stellen.

Am Ende möchte ich noch eine Bitte loswerden: Habt Mut zur Offenheit und geht ohne Wertung und Vorurteile auf Menschen zu. Egal ob euer Gegenüber zehn, 30 oder 90 Jahre alt ist, betrachtet ihn oder sie mit Respekt und blickt hinter die Fassade. Hinterfragt die spannenden Lebensgeschichten und die unzähligen Anekdoten, die ältere Menschen zu erzählen haben. Zeigt Interesse an den Lebenswegen, die eure Großeltern bestritten haben und erzählt ihnen von euren Plänen, Wünschen und Träumen. Nur so kann ein Austausch stattfinden und nur so können wir alle voneinander lernen und Gemeinsamkeiten feststellen. Was zählt ist schließlich der Kern eines Menschen, nicht die Anzahl von Lebensjahren, die er/sie bereits auf diesem Planeten verbracht hat.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 11.12.2019 bearbeitet.

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