Stammzellen spenden – Leben retten

Wissen
Nicole Greiderer / 17.10.2019
Infomaterial Stammzellen

Für viele Menschen hierzulande ist es selbstverständlich, ein oder mehrere Male im Jahr Blutspenden zu gehen. Darüber ist man auch gut informiert, man kennt sich aus. Aber warum wissen so wenige Menschen über Stammzell- bzw. Knochenmarkspenden Bescheid? Was ist das eigentlich und wofür ist es gut? Irgendwas mit Blutkrebs, oder?

Jeden Tag erkranken in Österreich drei Menschen an Leukämie. Im letzten Juni war ausgerechnet mein Vater einer davon. Die blutbildenden Stammzellen in seinem Knochenmark funktionierten nicht mehr so wie sie sollen und produzierten defekte weiße Blutkörperchen, die sich unkontrolliert vermehrten, sodass sie nach und nach die gesunden verdrängten und ein nicht funktionierendes Immunsystem zurückließen.

Da lag er also, mein sonst so großer, starker Papa, in diesem penibel steril gehaltenen Krankenzimmer, ich zitternd daneben, direkt nachdem er die Diagnose erhalten hatte, und ich durfte nicht mal seine Hand halten, um ihn irgendwie zu trösten. Jeder Keim wäre tödlich für ihn gewesen.

Und dabei hatte er irgendwie sogar noch „Glück“, denn Leukämie ist relativ gut heilbar. Und zwar mit einer Knochenmark- oder Stammzellspende. Aber die passenden Spenderzellen müssen erst gefunden werden, denn die Gewebemerkmale von SpenderIn und EmpfängerIn müssen so genau wie möglich übereinstimmen, damit die fremden Stammzellen im Körper der Patientin/des Patienten ihre Arbeit tun können. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Übereinstimmung liegt bei 1:500.000. Deshalb greift man hier wenn möglich auf Geschwister zurück, da die Aussicht, dass sie die gleichen Gewebemerkmale aufweisen, durch die gleichen Gene von Mutter und Vater viel höher ist. Mein Vater hatte dieses Glück: Sein Bruder passte perfekt zu ihm – das war, wie der Oberarzt es ausdrückte, „wie ein Lotto-Sechser“.

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Leider finden nicht alle Leukämie-PatientInnen eine geeignete Spenderin oder einen geeigneten Spender innerhalb der Familie. Für solche Fälle gibt es eine weltweite Datenbank mit potentiellen SpenderInnen. Kommt man als SpenderIn für einen erkrankten Menschen in Frage, wird man kontaktiert und spendet nach zahlreichen Untersuchungen anonym seine Stammzellen oder sein Knochenmark. Je mehr Menschen sich registrieren lassen, desto mehr PatientInnen können geheilt werden. Deshalb habe ich mich sofort nach meinem 18. Geburtstag typisieren lassen – und ihr könnt das auch tun! Einer der einfachsten Wege zur Registrierung kostet euch mit allem Drum und Dran keine Stunde:

Auf der Seite des Österreichischen Roten Kreuz füllt ihr ein kurzes Formular aus. Ein paar Tage später bekommt ihr per Post ein Kuvert mit einem Gesundheitsfragebogen, Infomaterial und vier Wattestäbchen für den Wangenabstrich. Mit diesem werden eure Gewebemerkmale typisiert. Zurückschicken, fertig. Damit seid ihr als SpenderIn registriert und könnt gefunden werden, wenn euch euer „genetischer Zwilling“ braucht.

So begann auch mein Onkel vier Tage vor der Transplantation, sich ein Medikament zu spritzen, das die Stammzellenproduktion anregt und diese aus dem Knochenmark ins Blut freigibt. Wie bei einem Dialyseverfahren wurden sie dann aus seinem Blut gefiltert und meinem Vater als Infusion verabreicht. Und dann hieß es warten. Denn erst Tage nach der Transplantation nehmen die Spenderzellen ihre Arbeit im neuen Körper auf und produzieren gesundes Blut.

Einen Monat später durfte Papa nach Hause, und mittlerweile geht es ihm wieder relativ gut. Er fährt nach wie vor regelmäßig zur Kontrolle in die Klinik. Zweimal am Tag muss er so pünktlich wie möglich eine Tablette nehmen, damit sein Körper die fremden Stammzellen nicht abstößt – im Prinzip ist das ähnlich wie bei einer Organspende. Dazu kommen noch jede Menge anderer Tabletten, wofür die alle sind, will ich gar nicht wissen. Die Hauptsache ist, dass es ihm so gut geht.

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Das ist nur möglich, weil er diese Stammzellspende erhalten hat. Jede einzelne registrierte Spenderin und jeder einzelne registrierte Spender zählt. Also: Wenn ihr gesund, mindestens 18 und unter 45 seid, lasst euch bitte typisieren! Ihr könnt damit ein Leben retten.

Link zur Registrierung 

Quellen:

Information Stammzellenspende

Infoseite zu Stammzellen

 

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