Sudan: Tausende leiden, die Welt schweigt

Politik
Dana Drnec / 22.07.2019
Blue for Sudan

Uniformierte Soldaten schießen willkürlich auf eine Menschenansammlung. Menschen (ver)hungern und Angst um Leben und Tod wird zum Alltag.

Diese Szenen spielen sich nicht etwa in einem dramatischen Film ab, sondern im Sudan.

Doch statt des zu erwartenden medialen Aufschreis sind es größtenteils User*innen der sozialen Medien, die die Krise im Land thematisieren. Mit kurzen Statements auf Twitter und Co oder indem sie ein simples dunkelblaues Bild zu ihrem Profilbild machen versuchen sie, auf die Zustände im ostafrikanischen Staat aufmerksam zu machen. Verschiedenste fragwürdige Social Media-Accounts behaupten für eine gewisse Anzahl an Likes und Followern Mahlzeiten an Hungernde im Sudan zu spenden.

Die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Ereignissen scheinen komplex und schwer nachzuvollziehen, bei den Statistiken über Todesopfer und Verletzten unterscheiden sich die wenigen Artikel, die sich diesem Thema widmen, stark.

Doch, was passiert dort gerade wirklich und wie kann man tatsächlich helfen?

Grob zusammengefasst kann man die jüngsten Ereignisse folgenermaßen beschreiben:

Laut dem amerikanischen Nachrichtensender CNN begannen die Proteste bereits letzten Dezember, als die Preise für Nahrungsmittel jahrelang auf ein für die Bevölkerung katastrophal hohes Level stiegen und viele hungerten. Diese Proteste entwickelten sich jedoch bald zu Kundgebungen gegen das seit 30 Jahren undemokratisch amtierende Staatsoberhaupt Omar al-Bashir. Ihm wird vorgeworfen, unter anderem für den Tod von mehreren zehntausend Sudanesen und Sudanesinnen verantwortlich zu sein, welche während der vielen von ihm angeordneten Operationen über seine Amtszeit hinweg ihr Leben verloren.

Nach fünf Monaten der durchgehenden Unruhen und zahlreichen Toten und Verschwundenen stürzte das Militär im April 2019 den bis dahin amtierenden Omar al-Bashir. Doch die anfängliche Freude der Bevölkerung über dieses Ereignis wich schnell erneuter Unzufriedenheit. Denn, entgegen der anfänglichen Versprechungen, plant die neue Militärregierung erst in drei Jahren demokratische Wahlen stattfinden zu lassen. Viele der Sudanesen und Sudanesinnen befürchten jetzt jedoch, das Militär würde genauso totalitär regieren wie der vorherige Amtsinhaber und sehen ihr Recht auf einen demokratischen Staat erneut bedroht. CNN erklärte, die Menschen hätten Angst vor einem „Recycling Of People“, dem „Wiederverwenden von Menschen“, sprich, dass die gleichen Personen an der Macht bleiben und sich somit nichts ändern würde. Die Demonstrationen werden inzwischen mit immer brutaleren Mitteln niedergeschlagen. Ganze „Camps“ der Demonstrant*innen werden gewaltsam geräumt. Willkürliche Hinrichtungen, auch von Minderjährigen, sind inzwischen nichts Besonderes mehr. Durch die Unruhen ist nun auch die Infrastruktur stark beschädigt, was zu immer mehr Hungertoten führt. Aktuelle und verlässliche Zahlen zu Todesopfern gibt es praktisch nicht mehr.

Viele besorgte User*innen wollen den Menschen im Sudan nun helfen. Insbesondere auf Instagram lassen sich viele Seiten finden, die damit werben, für Likes und Follower*innen Mahlzeiten an Hungernde im Sudan zu spenden. Dies scheint eine perfekte Alternative zum Spenden von Geld und Sachgütern zu sein, muss man doch einfach nur doppelt auf ein Bild klicken, um eine Mahlzeit zu gewährleisten. Im Gegensatz zu seriösen Wohltätigkeitsvereinen haben Seiten wie @sudanmealproject @sudanmealprojectcharity oder @sudanmealprojectofficial jedoch bis jetzt noch nicht bewiesen, dass durch ein einfaches Like tatsächlich eine Mahlzeit gespendet wird. Zwei der größten derartigen Seiten (@sudanmealproject und @sudanmealprojectofficial) wurden inzwischen von Instagram gesperrt. Wer tatsächlich helfen will, sollte also lieber bei seriösen Organisationen bleiben.

Auch ohne finanzielle Mittel kann man die Menschen im Sudan unterstützen. Nicht etwa durch Likes und Promotion für Betrüger*innen, sondern indem man versucht, auf das Thema aufmerksam zu machen. Indem man das Leid der Menschen publik macht, genau wie vor einigen Monaten das Abbrennen einer berühmten christlichen Glaubensstätte in Paris.

Weitere interessante Beiträge zu dem Thema: (Teilweise sehr graphische Bilder!)

Vice-Bericht über Sudan und deutsches Desinteresse

BBC: What's happening in Sudan? (Video)

The Daily Show: If you don't know, you you know: Sudan

Seriöse Hilfsprojekte für den Sudan:

Caritas 

Unicef

SOS-Kinderdorf

 

 

 

 

 

 

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 12.12.2019 bearbeitet.

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