Teheran Tabu - Persische Löwinnen leiden unter ihrem Schicksal

Kultur & Events
Lena Haiden / 21.03.2018
Sara auf dem Dach mit Flügel

Diagonale 2018. Der Kinosaal in Graz wird dunkel. Schnitt. Zwei Töne. Das rote Logo der Diagonale erscheint. Es wird mucksmäuschenstill, während die ersten Logos und Namen des Films „Teheran Tabu“ des Regisseurs Ali Soozandeh über die Leinwand flimmern.

„Persepolis“ und „Waltz with Bashir“ haben es vorgemacht – Animationsfilme können auch mit kritischer Thematik punkten. Genauer gesagt wurde bei dem Film das Verfahren der Rotoskopie angewendet. Mit SchauspielerInnen wurde in Wien in einem Greenscreenstudio gedreht. Die Entscheidung für diese Technik fiel, da man in Teheran keine Drehgenehmigung bekommen hätte. Auch waren sich zum Beispiel der Schauspieler Arash Marandi, der DJ Babak verkörperte, bewusst dass er nach der Beteiligung an diesem Film höchstwahrscheinlich nicht mehr in den Iran einreisen kann. Die Animation dient auch der Anonymisierung, meint der Schauspieler.

„Teheran Tabu“ erzählt drei Frauenschicksale die ineinander verwoben sind. Pari hat einen Mann, der wegen Drogen im Gefängnis sitzt und schlägt sich nun mit ihrem fünfjährigen stummen Sohn als Prostituierte durch.  Ihr Mann weigert sich die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Sie lernt die schwangere Sara kennen, die sich den Traditionen unterwerfen will, es nicht schafft und schließlich Arbeit finden möchte. Ihr Mann weigert sich allerdings die Bewilligung dafür zu unterschreiben. Donya konfrontiert ihren One Night-Stand Babak, er habe sie entjungfert, sie heirate in acht Tagen und er müsse ihr die OP zur Jungfernhäutchenwiederherstellung bezahlen.

So beginnt es - und die Frauen leiden im Laufe des Films immer mehr unter der patriarchalischen widersprüchlichen Gesellschaft im Iran. Der Film geht dabei jedem Zusehenden unter die Haut und ist sehr beklemmend, hat aber auch Momente in denen das Publikum kurz aufatmet oder sogar lacht. Die Protagonistinnen sind sehr facettenreich geschildert und ihre Geschichten sind sehr eindrucksvoll und geschickt miteinander verbunden. Der Film ist eine schnelle, furiose Abwärtsspirale für drei Frauen, gefangen in einer Gesellschaft, die sie gefangen hält und ihnen Steine in den Weg legt.

Die Kinolichter gehen wieder an, das Publikum klatscht. Nachdenklich und mit Fragen zur Lage der Frau im Iran, tritt es an die frische Luft - hinaus in das abendlichen Graz.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 19.09.2019 bearbeitet.

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