Zu Wort gekommen am Bundesredewettbewerb 2017

Kultur & Events
Julia Wendy / 21.06.2017
(c) Paul Feuersänger

Dass Jugendlichen zugehört wird, ist nicht immer selbstverständlich – am Bundesredewettbewerb schon. Über 70 junge Menschen aus allen neun Bundesländern und Südtirol hatten sich von 20. – 24. Mai 2017 in Wien versammelt um der Jury sowie dem Publikum ihre Gedanken mitzuteilen. Als Siegerin der niederösterreichischen Landesausscheidung war ich mit von der Partie.

Noch nicht einmal in meinem Zimmer in der Jugendherberge angekommen, höre ich schon von Weitem ein Wirrwarr aus verschiedenen Dialekten. Sofort komme ich mit einigen anderen TeilnehmerInnen ins Gespräch, denn schüchtern sind wir alle beim besten Willen nicht. Der ganze Wettbewerb wird von einem Sightseeing-Programm umrahmt, dessen Auftakt eine Schifffahrt auf der Donau bildet. Beim Abendessen auf der MS Vindobona kommen wir schnell auf die Idee, unser Vokabular mit Wörtern aus anderen Dialekten aufzupeppen. Selbst ich weiß jetzt, dass ein „Wusal“ ein kleines Küken ist und man mit einem „Fichtenmoped“ nicht etwa fahren, sondern Bäume umschneiden kann.

 

(c) Paul Feuersänger

 

Den nächsten Tag verbringen wir mit einer Themenführung durch Wien und einem Besuch im Tiergarten Schönbrunn. Obwohl wir uns erst so kurz kennen, „rennt da Schmäh“ und von Konkurrenz ist nichts zu spüren.

Am Montag finden auch schon die ersten Wettbewerbe statt. Ich bin froh, nicht in der Haut der Jury zu stecken, denn das Niveau ist durchgehend hoch. Während der Pausen machen wir es uns auf der Dachterrasse der Urania gemütlich, von der man einen tollen Blick über ganz Wien hat. Den Abschluss bildet die unterhaltsamste Kategorie des Redewettbewerbs: das „Neue Sprachrohr“. Hierbei wird nicht nur geredet, sondern auch gesungen, Gitarre gespielt oder Poetry Slam vorgetragen.

Tags darauf wird es auch für mich ernst, da nun zuerst die Klassischen Reden der höheren Schulen an der Reihe sind, und im Anschluss die Spontanreden. Mit letzterer Kategorie, in welcher ich antrete, ist immer ein bisschen Nervenkitzel verbunden, da man erst fünf Minuten vor der Rede erfährt, worüber genau man sprechen wird. Ich soll diese Zeit jetzt nutzen, um mir Gedanken zum Thema „Wer erzieht die Kinder?“ zu machen. Schnell einen Anfangs- und einen Schlusssatz formuliert, dazwischen ein paar Stichworte überlegt und noch fix ein kleines Wortspiel eingebaut - dann ist meine Vorbereitungszeit auch schon zu Ende und Moderatorin Karoline Zobernig bittet mich in den Saal. Die Aufregung legt sich nach einigen Sätzen und ich erkläre meinen ZuhörerInnen passend zu einigen vorrangegangenen Reden über soziale Netzwerke, dass heutzutage nicht nur Eltern und LehrerInnen, sondern auch der Fernseher, Facebook & Co. Einfluss auf die Erziehung unserer Jüngsten haben. Auch auf die anschließend gestellte Frage ist schnell eine Antwort gefunden und ich bin zufrieden und froh, den großen Auftritt hinter mir zu haben.

 

(c) Jugendportal

 

Den Nachmittag verbringen wir mit einer Backstageführung im ORF, bei der wir zuerst unseren eigenen Clip in der Bluebox drehen und im Anschluss feststellen, dass das Studio von „Dancing Stars“ viel kleiner ist, als im TV angenommen.

Zu guter Letzt steht ein Abend zur freien Verfügung an, welchen wir für einen Praterbesuch nutzen. Dies entpuppt sich als wirklich grandiose Idee und immer öfter frage ich mich, ob ich diese Leute, mit denen ich gerade im Autodrom einen Unfall baue oder im Ecstasy um die Wette schreie, wirklich erst einige Tage kenne. Den krönenden Abschluss bildet eine Fahrt im Tagada, bei der wir auch noch unsere Gesangskenntnisse unter Beweis stellen und lauthals Schlagermelodien mitgrölen. Und nein, das Zeug für einen Bundessingwettbewerb haben wir alle noch nicht J.

Mittwochs herrscht schon am Frühstückstisch eine komische Stimmung. Zum einen war Schlaf in den letzten Tagen wohl bei allen Mangelware, zum andern steht heute die Preisverleihung an. Auch der bevorstehende Abschied stimmt niemanden fröhlich, hätten wir doch schon überlegt, einfach die Entscheidung der Jury anzufechten, um alles noch ein wenig hinauszuzögern. Nach der Siegerehrung, deren Ergebnis überraschenderweise oft wider der allgemeinen Erwartungen ausgefallen ist, werden auch schon Zugzeiten verlautbart und langsam leert sich der Saal, in dem wir in den vergangenen Tage alle so aufgeregt am Rednerpult gestanden sind.

 

(c) Jugendportal

 

Für mich selbst hat es leider knapp nicht für einen Stockerlplatz gereicht, dennoch habe ich mich über größtenteils sehr positives Feedback der Jury freuen können. Noch toller finde ich aber die paar Tage, auf die ich zurückblicken kann. Ja, ich war dabei, beim Bundesredewettbewerb 2017. Und ich bin froh, dass ich die Chance hatte, zu Wort zu kommen.

 

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 14.11.2019 bearbeitet.

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