Black Lives Matter: Der Kampf geht weiter

Engagement
Nico Lang / 15.03.2021
End SARS Demo in Graz

Am 25. Mai 2020 hielt die ganze Welt den Atem an. „I can’t breathe“, der letzte Satz des Afroamerikaners George Floyd erreichte Millionen Menschen weltweit. Die Black Lives Matter-Bewegung wurde in den Fokus gerückt und brachte viele, vor allem junge Menschen dazu, aktiv zu werden. Darunter Precious Nnebedum in Graz und Sophie Kele in Wien. Wie geht es jetzt für die jungen Akteurinnen weiter?

Mediale Aufmerksamkeit

Antirassistische-Bewegungen sind keinesfalls eine Erfindung des letzten Jahres. Seit Jahrzehnten gibt es auch in Österreich verschiedene Aktive, die sich für die Rechte der People of Color einsetzen. Selbst die Black Lives Matter-Bewegung, welche im letzten Jahr so präsent in den Medien war, gibt es bereits seit 2013. Nur jetzt kam es zu einer weltweiten Berichterstattung, die einen Augenblick lang das Scheinwerferlicht der medialen Öffentlichkeit darauf gerichtet hat.

„Es ist nicht nur der österreichischen AktivistInnen-Bewegung geschuldet, dass Black Lives Matter in Österreich so ein Thema war. So gerne ich vielen motivierten und tollen Menschen das zurechnen würde. Es waren einfach globale Entwicklungen, die in Österreich 50.000 Menschen auf die Straße gebracht haben und nicht unbedingt der Kampf, den wir im Inland führen“, so Sophie Kele, eine der HauptakteurInnen der antirassistischen Arbeit in Wien. „Es wird auch weiter so sein, dass die Arbeit, die viele hier leisten, nicht gesehen wird und nicht gesehen werden möchte bzw. nicht so darüber berichtet wird, wie sie es eigentlich verdient hätte, dass darüber berichtet wird“.

Die Aufmerksamkeit der Medien und der dadurch entstandene Diskurs haben zu einem größeren Problembewusstsein geführt. Hinzu kommt auch die Entwicklung in der Popkultur. Immer öfter wird afrikanische Musik konsumiert. Stars wie Beyonce drehen Musikvideos mit afrikanischen TänzerInnen. „Vor drei bis vier Jahren war das noch kein Thema. Das ist natürlich auch sehr empowernd für Menschen mit afrikanischer Herkunft.

Nicht nur hier, sondern auch auf dem Heimatkontinent. Auch dort merkt man jetzt, dass man mehr gesehen wird und mehr Eingriffsmacht hat“, erklärt Sophie das vermehrte Aufkommen von Freiheitsbewegungen wie „End-SARS“ in Nigeria. Dort wird aktuell gegen die Polizeieinheit SARS (Special Anti-Robbery Squad) demonstriert. Wie beim Fall von George Floyd wurde auch SARS dabei gefilmt, wie sie einen jungen Mann aus einem Hotel ziehen, erschießen und dann auf der Straße liegen lassen. In Graz gab es am 24. Oktober vergangenen Jahers auch einen Protest mit Hauptfokus auf diesen Fall.

Foto: Nico Lang

Das erste antirassistische Volksbegehren Österreichs. Black Voices

Sophie Kele hat vor drei Jahren angefangen, Community Arbeit mit schwarzen Menschen und Menschen afrikanischer Herkunft in Wien zu organisieren. Die daraus entstandene Gruppe trifft sich nun zu einem monatlichen Stammtisch. Mittlerweile sind diese Stammtische für Sophie eine Flucht aus dem Alltag. „Das sind meine Freunde, meine Bezugspersonen, die alle einen ähnlichen Background haben, den eben viele von uns haben. Eltern aus Afrika, aber in Österreich aufgewachsen. Wir sind also die zweite Generation. Das hat mich auch gestärkt, in meiner eigenen Person und in meiner Identität“

Durch diese Arbeit ist Sophie über die Jahre auch in Kontakt mit anderen Projekten und Organisationen gekommen. Sie wurde eine Hauptorganisatorin der Black Lives Matter-Demo (kurz: BLM-Demo) in Wien. Jetzt hat sie gemeinsam mit anderen AktivistInnen das Black Voices-Volksbegehren ins Leben gerufen.

„Das Volksbegehren hat verschiedene Teilbereiche, wie zum Beispiel den Arbeits-, Bildungs-, und Gesundheitsbereich. Aufgrund dieser Themenbereiche werden konkrete Forderungen gestellt.“ Mit mehreren offenen Briefen wird unter anderem die Abschaffung von Blackfacing beim Sternsingen gefordert.

Graz hat jetzt das Tanaka

Während sich in Wien aus der BLM-Bewegung das Volksbegehren entwickelt hat, ist in Graz ein Verein daraus entstanden. „Wir wollen uns selbst empowern“, erzählt Precious Nnebedum. Aus diesem Grund hat sie gemeinsam mit zwei Freundinnen das Tanaka Graz gegründet.

Foto: TanakaDer Verein Tanaka wurde von Precious Nnebedum, Precious Oteng und Hannah Ayalon gegründet. 

„Wir wissen, dass es Rassismus immer noch gibt, aber wir lassen uns nicht unterkriegen“. Der Verein soll als Safe-Space für alle, die unter Diskriminierung leiden, dienen. „Wir machen quasi Anti-Diskriminierungs-Workshops, nur umgedreht. Wir belehren nicht die Menschen, die rassistische Gedanken haben und dementsprechendes Verhalten zeigen, sondern uns selber, damit solche Leute ihre Macht verlieren.“

In diesen regelmäßigen Workshops werden Probleme und Ereignisse diskutiert. Jeder kann zu Wort kommen und Themen ansprechen, die ihm/ihr am Herzen liegen. Wenn keine Antwort erarbeitet werden kann, bringt das Tanaka die Fragen an ExpertInnen heran. Für den „Tanaka – Girls Day“, bei dem Migrantinnen im Vordergrund stehen, hat Precious Nnebedum auch den Grazer Frauenpreis 2021 erhalten.

Der Kampf geht weiter

Das Volksbegehren und das Tanaka sind nur zwei von vielen Steinen, die die BLM-Demowelle ins Rollen gebracht hat. Die antirassistische Arbeit wird mit einer neuen Dynamik und einem neuen Schwung weitergeführt. Nur weil darüber nicht berichtet wird, ist es nicht still.

„Wie es jetzt weitergeht, hängt auch davon ab, wie sich die österreichische Gesellschaft in der Zukunft entwickelt, bzw. wie sehr die gesamte weiße Mehrheitsgesellschaft bereit ist, hier Arbeit zu leisten, um eine Veränderung herbeizuführen“, erzählt Sophie Kele. „Rassismus ist kein Problem, das die Betroffenen zu lösen haben, sondern eines, welches die weißen Menschen bzw. wir als Gesellschaft lösen müssen.“

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 25.10.2021 bearbeitet.

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