Lebendiges Europa durch die Eljub E-Book Woche

Kultur & Events
Barbara Strasser / 10.08.2016
ELJUB 2016

In Krems haben sich von 2. bis 9. Juli 2016 fast 50 Jugendliche aus 10 verschiedenen Ländern zusammengefunden. Grund dafür war die „Eljub (Europäische Literatur-Jugendbegegnung) E-Book Woche“. Hier wurde nicht, wie man annehmen könnte, ein E-Book gelesen, sondern selbst eines verfasst.

Letztes Jahr war auch ich eine überglückliche Teilnehmerin der Eljub E-Book-Woche. Da sich das Rad aber weiterdrehen muss und jedes Jahr andere junge Menschen die Chance bekommen eine tolle Woche in Krems zu verbringen, war ich natürlich kein zweites Mal dabei. Trotzdem konnte ich meine Nase nicht ganz raushalten und habe die Jugendlichen in Krems besucht.

 

10 Länder – 1 E-Book

Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, und natürlich Österreich. Das sind die vielen Länder, aus denen die TeilnehmerInnen samt ihrer BetreuerInnen heuer angereist sind, um bei der Eljub E-Book-Woche dabei zu sein. Es sind verschiedenste Jugendliche, meist zwischen 15 und 19 Jahre alt, die entweder durch die Schule oder durch das Gewinnen eines Fremdsprachenwettbewerbs die Möglichkeit bekommen haben ein Teil der Erlebniswoche zu sein.

 

ELJUB 2016

Wie alle Projekte der Europäischen Literatur- Jugendbegegnung findet auch die Woche in Krems vollkommen auf Deutsch statt. Das ist einerseits eine Hürde für alle, deren Muttersprache eine andere ist, aber andererseits auch eine Chance seine Deutschkenntnisse zu verbessern und anzuwenden. „Durch das intensive Sprachtraining werden meine Schüler selbstsicherer und haben weniger Hemmungen deutsch zu sprechen.“, erzählt mir Magdalena Musial, eine Lehrerin aus einem polnischen Gymnasium, die mit ihren SchülerInnen immer wieder an Eljub-Projekten teilnimmt.
Es kommt aber vor allem darauf an, neugierig zu sein, gerne Menschen kennenzulernen und Spaß am Schreiben, Austauschen und Diskutieren zu haben. Probleme mit der deutschen Sprache sind keineswegs ein Hindernis an der Teilnahme.

 

Let’s write an e-book!

Gemeinsam wird ein E-Book auf Deutsch verfasst. „Und worüber?“ mag sich so manch einer nun fragen. Die Themen werden bei einem Vorbereitungstreffen, das auch in Krems stattfindet, ausgewählt. Aus jedem Land kommt jeweils ein/eine BetreuerIn mit einem/einer TeilnehmerIn der Sommerwoche. Gemeinsam wird besprochen, was Jugendliche zurzeit beschäftigt und wo die Schwerpunkte gesetzt werden sollten. In diesem Jahr gab es folgende Themen neben dem Literaturworkshop, der alljährlich angeboten wird, zur Auswahl:

  • „Erwachsen werden“
  • „Veränderungen“
  • „Zusammenleben in Europa“

Je nach Interesse wählt man eines aus und wird anschließend in Gruppen aufgeteilt, die von Walter Grond, Gabriele Kögl, Beat Mazenauer und Veronika Trubel geleitet werden. Alle vier arbeiten in den Bereichen Kunst, Kultur, Literatur und Medien und besetzen dort wichtige Positionen.

 

ELJUB 2016

Nach einigen Impulsen, Spielen, Vorbesprechungen oder Heranführungen geht’s los: man schreibt. Alleine, zu zweit oder in größeren Gruppen. Vielleicht macht man eine Umfrage im Einkaufszentrum und analysiert diese anschließend, zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen in Europa auf oder man denkt sich eine Geschichte aus. Nach einer Woche füllen diese Analysen, Texte und Geschichten ein ganzes E-Book. Wer auf die Ergebnisse von diesem oder von den letzten Jahren neugierig ist, kann sie auf der Website der Europäischen Literatur- Jugendbegegnung lesen.
 

Wer glaubt, dass die Jugendlichen nun eine Woche rund um die Uhr auf ihren Arbeitsplätzen sitzen und mechanisch an ihren Texten arbeiten, der irrt. Das Programm endet nicht beim Schreiben eines E-Books; es wird umrahmt von verschiedensten Aktivitäten, wie einem Sport- und Freizeitnachmittag oder einem Kinobesuch, außerdem gab es einen Wientag, eine JournalistInnendiskussion, einen Museumsbesuch, einen Sprachwettbewerb, gemeinsames Kochen und vieles mehr. Da ist für jeden etwas dabei – langweilig wird es garantiert nie!

 

„Literatur ist ein Raum der Begegnung“

Nun, trotz vieler Aktivitäten und auch Freizeit ist das Schreiben der Kernpunkt von Eljub. „Warum?“ finde ich mich Veronika Trubel im Gespräch fragen und sie antwortet mir Folgendes: „Literatur ist ein Raum der Begegnung. Wir wollen junge Menschen, die sehr nahe beieinander wohnen, aber relativ wenig übereinander wissen zusammenbringen." Beim Schreiben passiert genau das: Es wird verglichen, übereingestimmt, nachgedacht, diskutiert und wenn es sein muss auch gestritten. Außerdem fügt Trubel hinzu, dass LiteratInnen über die Gesellschaft nachdenken und ihr den Spiegel vorhalten. Jugendliche können vielleicht endlich das sagen, was sie schon immer äußern wollten, oder ihren Ideen und Gedanken freien Lauf lassen.
Junge Menschen, die aus verschiedene Kulturen kommen, lernen einander wirklich und nicht nur oberflächlich kennen. Sie hören, was der Andere über Jugendkultur, Politik oder die Zukunft denkt und wie der Hase nur wenige Kilometer weiter, in anderen EU-Ländern, läuft. Sie machen bei Eljub neue Erfahrung und schließen Freundschaften, die keine Grenzen kennen.
 

Als ich die diesjährigen TeilnehmerInnen Anfang Juli in Krems besucht habe, konnte ich die Dinge als Außenstehende mit ganz anderen Augen betrachten. Letztes Jahr habe ich alles selbst erlebt, habe interessante Menschen kennengelernt, die ich jetzt meine FreundInnen nennen darf, und habe Texte geschrieben. So mittendrin im Tun ist mir die Tragweite von Eljub nicht aufgefallen. Doch an dem sonnigen Mittwochnachmittag, an dem ich am ganzen Areal herumgeschlichen bin und an jeder Ecke Jugendliche vorfand, die gemeinsam arbeiteten, wurde mir eines bewusst: Hier ist Europa genauso wenig geografischer Begriff wie die Europäische Union hier ein leeres Wort auf einem Blatt Papier ist – hier wird Europa und die Europäische Union lebendig.

 

Interessiert? Wer Fragen hat oder vielleicht sogar teilnehmen möchte kann sich entweder auf ihrer Website anmelden oder direkt eine E-Mail an Veronika Trubel unter veronika.trubel@readme.cc schreiben.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 03.12.2021 bearbeitet.

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