Das ist kein Spiel – oder doch?

Kultur & Events
Anna Egger / 08.10.2019
Gaming FROG

Investiere ich in Atomenergie oder wähle ich die grüne Alternative? Anfangs gibt Wasserkraft im Vergleich wenig Punkte, allerdings könnte der Staat mir später Förderungen zukommen lassen. Jede Runde entscheidet dann der virtuelle Zufallsgenerator, ob umweltschädliche Energiequellen Strafe zahlen müssen, oder die ökologisch unbedenklichen Zuschüsse bekommen. Je mehr Geld, umso mehr Energiequellen kann ich mir kaufen. Und je mehr grüne Energiequellen und folglich auch Punkte ich besitze, umso höher meine Chance Environmental Auction zu gewinnen, zumindest die Prototypversion. Mehr Nachhaltigkeit war auf der Polliwog Klagenfurt das Thema, herausgekommen sind fünf verschiedene Spiele. Flüchtlingsversorgung im Mittelmeer, abgehakt. Flucht vor der Atomwolke, abgehakt. Umweltfreundliche Herstellung, abgehakt. Tatsächliche Förderung für die Spieleindustrie in Österreich?

dsc_0012.jpg

Game-Industrie: ein Milliardengeschäft

Die Konferenz für Future and Reality of Gaming (FROG), gefördert vom Bundeskanzleramt, wird vom 18. bis zum 20. Oktober in Wien stattfinden. Mit ihr ist vielleicht ein kleiner Schritt getan. Dabei schätzt Statista den Wert der Game-Industrie für 2020 weltweit auf 85,4 Milliarden US-Dollar. Auch in Deutschland wird diese Branche immer bedeutender, 2016 hat der Umsatz dort 2,9 Milliarden Euro betragen. Zum Vergleich, die deutsche Filmindustrie war im selben Jahr 3 Milliarden wert, so Martin Lorber. In seinem Blog namens Electronic Arts zieht er Kino, DVD, Blu-Ray, Download und Streaming für die Filmindustrie heran und stellt sie dem Gesamtmarkt Games inklusive In-App-Käufe, Downloads und Hardware gegenüber (für mehr Infos dazu klick hier).

Gaming heißt nicht gleich Ego-Shooter

Bereits jeder zweite Europäer spielt, sagt Felix Schniz, Universitätsassistent der Uni Klagenfurt. Und wer der 00er-Generation hat sich als Kind nicht in Super Mario durch alle Levels gekämpft, um Prinzessin Peach zu befreien, oder zumindest einen Nintendo besessen? Die Jugend, aber auch die Erwachsenen stecken im Spielefieber. Trotzdem wird Gaming oft mit Gewalt assoziiert. Vielleicht, weil die ersten Statistiken, die bezüglich Gaming gemacht worden sind, sich damit beschäftigten. Je nachdem ob man diese These glauben will oder nicht, Statistiken findet man in beiden Richtungen. Gewalttätige Menschen neigen wohl eher zu gewalttätigen Spielen und Fakt ist, Spiele lösen etwas in uns aus. Ob das in dem Fall aggressives Verhalten ist oder nicht, sei dahin gestellt. Es gibt auf jeden Fall ein breites Spektrum an Alternativen. Für Spiele mit psychologischem Aspekt interessiert sich Psychologe Wolfgang Hoi. Im privaten Gespräch stellt er eine App vor, die Menschen mit Panikattacken beruhigt. Ein Segelboot wird vorangetrieben, indem man gleichmäßig bläst.

dsc_0089.jpg

Alternate Reality in Krems

In Vorbereitung auf die FROG haben in Krems und Klagenfurt Vorkonferenzen stattgefunden, die sogenannten Polliwogs (= Englisch für Kaulquappe). In Krems ist ein Schwerpunkt auf Alternate Reality Games (ARGs) gelegen. Bei einem ARG geht es darum, die Grenzen zwischen Buch, Film und zugehörigem Spiel zu verwischen. Nach dem Motto „This is not a Game“ weitet sich das Spielfeld auf die reale Welt aus. Damit die gesamte Geschichte erzählt werden kann, müssen Hinweise diskutiert – dazu dienen Online-Foren – gedeutet und in der realen und virtuellen Welt gesucht werden. Vielleicht ergibt das entschlüsselte Rätsel eine Nummer, die angerufen werden muss, oder eine Lokalisation, an der/die SchauspielerIn mit den SpielerInnen interagieren. Hinter dem, was wie ein Locked-Room-Erlebnis ohne räumliche oder zeitliche Einschränkung wirkt, stecken meist riesige Marketing-Kampagnen. Nach Spaß klingt es trotzdem.

dsc_0094.jpg

Nachhaltigkeit in Games in Klagenfurt

In der Polliwog an der Universität Klagenfurt hat sich alles darum gedreht, im Team ein hybrides Spiel zu entwickeln, eines, das ein Brett- oder Kartenspiel mit einer App verbindet. Herausgekommen sind fünf ganz verschiedene Prototypen, die das Thema Nachhaltigkeit jeweils eigen interpretieren. Einer davon lässt sich auf Firetotemgames testen. Der Nachhaltigkeitsgedanke bei Hexachess ist, dass das Spielbrett daheim ausgedruckt werden und mit kleinen Steinchen, Plättchen, Figuren etc., die man bereits besitzt, gespielt werden kann. So geht weder Energie für Verpackung oder Transport verloren.

Ob bereits faszinierter Gamer oder begeisterte Gamerin, Skeptiker oder Skeptikerin dieses Mediums – Die Game-Industrie wird immer wichtiger. Raum für Diskussion, Fragen und Meinungen von ExpertInnen gibt es auf der FROG und auf der letzten Polliwog am Donnerstag den 17. Oktober, die Infos dazu auf FROG Vienna

@jugendportal auf Instagram

Jugendportal.at wurde zuletzt am 04.12.2019 bearbeitet.

Partner