Schattenseite Großereignis

Kultur & Events
Sarah Maly / 14.07.2018
Fußball auf einer Wiese - die halbe Seite im Schatten

Egal ob Fußballweltmeisterschaft oder Olympische Sommer- sowie Winterspiele, Großereignisse begeistern weltweit. Millionen Menschen erwarten Spannung, Emotionen und Triumphe, Sportler und Sportlerinnen verwirklichen sich mit der Teilnahme einen Lebenstraum und kämpfen um Titel sowie Pokale oder Medaillen. Sowohl Fans als auch Teilnehmer und Teilnehmerinnen erleben unvergessliche Momente, jedoch werfen Großereignisse wohl mehr denn je zuvor Schatten. Diese dürfen in der Feierstimmung aber nicht untergehen.

Russland 2018 – Monsterbauten auf Kosten der Gastarbeiter

So ist die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland die teuerste aller Zeiten. Mehrere Milliarde Euro kostete der Bau beziehungsweise die Sanierung der zwölf WM-Stadien, von denen nach Ende des Turniers gerade einmal die Hälfte von Erstligisten genutzt wird. Bei einigen Stadien ist bereits ein Rückbau geplant und selbst nach einer Verkleinerung sind diese für Ligaspiele von Erst-, Zweit- und sogar einem Drittligisten noch deutlich zu groß. Dabei soll es nicht einmal für alle Stadien einen dauerhaften Nutzen geben. Damit ereilt ihnen ein ähnliches Schicksal, wie manchen Stadien in den beiden vorherigen Veranstaltungsländern Südafrika (2010) und Brasilien (2014), die für Millionen gebaut wurden und nun ungenutzt verwittern.

Explodierte Baukosten und leere Plätze sind jedoch nicht die einzigen Negativschlagzeilen der WM-Stadien. Neben anhaltenden Änderungen und Verzögerungen beim Bau sowie Mängel, sind vor allem die ausbeutenden Arbeitsbedingungen, die es auch bei der Erschaffung der Wettkampfstätten für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi gab, schockierend. Mangelnde und verspätete Entlohnungen, fehlende Arbeitsverträge und keine angemessene Schutzkleidung bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ereilten die Arbeiter auf den Baustellen der WM-Stadien. Betroffen waren nicht nur Russen, sondern auch Gastarbeiter aus Weißrussland, der Ukraine und Zentralasien. Wie moderne Sklaven wurden illegale Arbeiter aus Nordkorea behandelt, deren Pässe beschlagnahmt wurden, um nicht ausreisen zu können. Des Weiteren mussten diese übermäßig lange arbeiten, hatten kaum freie Zeit, übernachteten in eisigen und überfüllten Unterkünften und mussten den Großteil des Lohnes an die nordkoreanische Regierung abgeben. Neben den menschenrechtsverletzenden Umständen kam es beim Bau der WM-Stadien zu mindestens 17 Todesfälle.

Katar 2022 – Noch unwürdiger als Russland?

Auch Berichte über die Arbeitsbedingungen für die nächste Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar sind ebenfalls erschreckend. Gastarbeiter wohnen eng zusammengepfercht in Räumen mit schimmligen Wänden, versifften Sanitäranlagen und Fäkalgeruch. Des Weiteren wurden sie trotz Hitze zur Arbeit gezwungen und teilweise kaum entlohnt. Zahlen über Verunglückte kursieren einige, wie viele davon wirklich auf den WM-Baustellen gestorben sind, ist fraglich, aber eindeutig zu hoch. Die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft nach Katar, einem Land das noch nie an einer WM-Endrunde teilgenommen hat, ist durch viel Kritik gezeichnet. Katar hat keine Fußballtradition, im Sommer gibt es bis zu 50 Grad, weshalb die WM im Winter ausgetragen wird und homosexuelle Handlungen stehen unter Strafe. Die Expansion des Fußballs und Völkerverständigung werden als Gründe für die Entscheidung genannt, viel mehr und vor allem richtig gute gibt es nicht. Stattdessen soll es bei der Abstimmung über die Vergabe nach Katar unsauber zugegangen sein und der Vorwurf gekaufter Stimmen und damit Korruption wurde erhoben. Daher wirkt es so als ob Geld für den Weltfußballverband FIFA über der Einhaltung der Menschenrechte steht.

Pyeongchang 2018 – Winterspiele ohne Rücksicht auf Mensch und Natur

Allerdings wurden nicht nur bei Fußballweltmeisterschaften, sondern auch bei den im Februar 2018 ausgetragenen Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang Negativschlagzeilen gemacht. So sind für die in einem Naturschutzgebiet liegende Abfahrtstrecke über 50.000, teilweise hunderte Jahre alte, Bäume gefällt worden, um anschließend kaum Publikum anzulocken. Generell hielt sich das Interesse der Zuschauer und Zuschauerinnen in Grenzen, weshalb Wettkämpfe vor fast leeren Tribünen stattfanden. Mitschuld waren sicherlich auch die Startzeiten, angepasst an beste Fernsehzeiten zu Mittag in Europa und nicht an den Veranstaltungsort, so dass beispielsweise der Normalschanzenbewerb der Skispringer erst nach Mitternacht bei Minusgraden endete. Weiters wurde auch auf Kosten der Sportler und Sportlerinnen gehandelt. Die Strecke der Snowboardcrosser und Skicrosser war trotz Entschärfungen und Kritik derart gefährlich, dass es zu einer Vielzahl an Stürzen kam, auch mit schweren Verletzungen, wie einem Halswirbel-, Becken- oder Schienbeinbruch sowie einer schweren Gehirnerschütterung. Der Snowboard Slopestyle Bewerb der Damen endete in einem Skandal. Trotz heftiger Windböen und Proteste der Fahrerinnen wurde der Bewerb durchgezogen, weshalb von 50 Läufen 32 mit einem Sturz endeten.

Südkorea ist eben keine typische Wintersportnation, ebenso wenig wie China, Veranstaltungsland der nächsten Winterspiele 2022. Nachdem sich mehrere Wintersportdestinationen, wie St. Moritz, Stockholm, Oslo, München, Tirol oder erst kürzlich Schladming/Graz gegen Olympiabewerbungen aussprachen, sei es nun seitens der Bevölkerung oder Politik, bleibt kaum eine andere Wahl. Die Liste der europäischen Gegenden, die Olympia ablehnen ist lang und offensichtlich gibt es ein Imageproblem, aber Negativschlagzeilen sowie das Streben nach Gigantismus und Geld wird keine Änderung bewirken. Daher sollte sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) ernsthafte Gedanken machen in welche Richtung die Entwicklung geht.

Rio 2016 – Wenn die Gesundheit nachrangig ist

Dies gilt nicht nur für Olympische Winterspiele, sondern auch für Sommerspiele. Bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Auf Grund der Ansteckungsgefahr mit dem Zika-Virus, der besonders für Schwangere gefährlich ist, verzichteten einige Sportler und Sportlerinnen vor allem aus den Bereichen Tennis und Golf auf ihre Teilnahme. Außerdem konnten im Meer Superbakterien, welche resistent gegen Antibiotika sind und schwierig zu behandelnde Krankheiten auslösen, nachgewiesen werden, da Abwässer ungefiltert ins Meer geleitet werden. Einige, die im Vorfeld dort trainierten, erkannten an Fieber, Durchfall, Erbrechen oder holten sich Entzündungen. Beklagt wurde zudem der mangelhafte Zustand des Athletendorfs und nicht vergessen werden darf, dass Rio eine Stadt ist, gezeichnet durch Armut, Kriminalität und Drogenkrieg. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen Geld in die Lösung dieser Probleme zu investieren und nicht in die Veranstaltung Olympischer Spiele, von denen im Nachhinein nichts bleibt.

Was muss sich ändern?

Großereignisse sollten deshalb nicht mehr an Länder vergeben werden, die mit Staatsdoping Schlagzeilen machen, es vermehrt zu rassistischen Zwischenfällen kommt, Hooligans damit drohen Homosexuelle umzubringen und Journalisten und Journalistinnen Probleme mit der Einreise haben (Russland), das Land unter Verdacht steht Terrorismus zu unterstützen und absolut keine Sporttradition hat (Katar), Sicherheitsrisiken wie der Nordkoreakonflikt präsent sind und überwiegend das Zuschauerinteresse fehlt (Pyeongchang) oder Kriminalität, Drogendelikte und gefährliche Viren ernsthafte Probleme bereiten (Rio). Vielmehr sollten vor allem westliche Länder wieder dafür begeistert werden Großveranstaltungen auszurichten, ohne Gigantismus und der Investition von Milliarden für neue Sportstätten.

Die oben angeführten Veranstaltungen dienen lediglich als Beispiele dafür, was bei Großereignissen falsch läuft. Allerdings sind es nicht die einzigen Sportevents, die einen negativen Beigeschmack mit sich gezogen haben und sicherlich auch nicht die letzten, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. Sowohl bei der FIFA und dem IOC als auch bei den einzelnen Sportverbänden muss ein Umdenken stattfinden, um sowohl Mensch als auch Umwelt zu schützen. Die Kommerzialisierung und Gier nach Geld darf nicht im Mittelpunkt stehen, sondern der Sport und die Athleten und Athletinnen. Es sollte darauf geachtet werden, dass Kosten nicht explodieren, bereits bestehende Sportstätten genutzt oder Neubauten wiederverwendet werden, die Umwelt nicht dauerhafte Schäden davonträgt und Menschenrechte eingehalten werden. Zudem muss mehr auf das Gastgeberland sowie auf die Sportler und Sportlerinnen Rücksicht genommen werden. Nicht das Geld soll oberste Priorität haben, sondern faire Bedingungen und unvergessliche Sportmomente.

 

Quellenangaben:

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 18.10.2018 bearbeitet.

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