Streetworker – „Wir passen uns an die Jugendlichen an“

Engagement
Barbara Strasser / 02.06.2016
2 StreetworkerInnen

Westrand Amstetten. Einer von vier in Niederösterreich angesiedelten Standorten, die vom Verein Jugend und Lebenswelt gefördert werden, in denen „mobile JugendarbeiterInnen“ tätig sind. Es geht hier nicht um die physische Anlaufstellte, sondern um die Straßen, die Schulen und die Parks. Es geht um die Jugendlichen und um deren Lebensraum. Hier kommen die SozialarbeiterInnen in das Leben der Heranwachsenden und nicht umgekehrt.

Nicole Hartmann (30) ist Teamleiterin bei Westrand Amstetten. Sie ist in der mobilen Jugendarbeit tätig und man kann sie infolgedessen an den verschiedensten Orten antreffen. Einzige Voraussetzung: Orte, an denen sich Jugendliche aufhalten. Im Sommer im Freibad, im Winter im Einkaufszentrum. „Wir passen uns an die Jugendlichen, deren Regeln und Lebensräume an“, sagt Hartmann.

Streetworker sind immer zu zweit unterwegs. Sie quatschen die Jugendlichen an und reden über alles Mögliche. Zu zweit deswegen, weil es oft vorkomme, dass in einer größeren Gruppe jemand ein Gespräch unter vier Augen führen möchte. So kann sich der Eine weiter mit der Jugendgruppe beschäftigen, während der Andere bei privaten Anliegen hilft.
Egal, worüber die jungen Menschen reden wollen, sei es, Politik und das Leben, sei es, ein Problem mit den Eltern oder der Schule, die SozialarbeiterInnen haben immer ein offenes Ohr. Sie beraten einen auch bei strafrechtlichen Fragen oder geben einem Auskunft rund um die Themen Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Es gibt kein Tabu. Streetworker unterliegen der Schweigepflicht, es sei denn, die Jugendlichen gefährden sich selbst oder andere.

Ziel des Westrand Teams ist es, mit Gesprächen eine Vertrauensbasis aufzubauen, damit die jungen Erwachsenen, wenn sie einmal ein Problem haben, wissen an wen sie sich wenden können. Sie können einfach anrufen, mailen, sich einen Termin ausmachen, die SozialarbeiterInnen auf der Straße anquatschen oder während der Öffnungszeiten in der Anlaufstelle vorbeischauen.
Gehen die Probleme der 12 bis 23 Jährigen über den Horizont der JugendarbeiterInnen hinaus, z. B. wenn es sich um hohe Schulden handelt, werden sie an demensprechende Institutionen und Beratungsstellen weitervermittelt. Hier wird eng mit anderen Einrichtungen zusammengearbeitet, um auf die individuellen Anliegen eines Jeden eingehen zu können.

Individuell sind bei Westrand Amstetten nicht nur die Jugendlichen und deren Probleme, sondern auch jeder einzelne Arbeitstag. Nicole Hartmann meinte dazu: „Ich kann gar keine normale Arbeitswoche beschreiben. Es ist einfach immer anders“. Neben der mobilen Jugendarbeit gibt es noch Jugendtreffs, die in der Niederlassung von Westrand stattfinden, außerdem stehen regelmäßig Projekte und Ausflüge auf dem Programm. Natürlich wird dabei auf die Bedürfnisse und Interessen der Jugend eingegangen. Playstation? Bogenschießen? Graffitiworkshop? Alles klar!

Der Vorteil von mobiler Jugendarbeit ist, dass Jugendliche, die normalerweise nicht in Jugendzentren aufzufinden sind und sonst einfach „durchrutschen“ würden, miteinbezogen werden.
Und das Konzept funktioniert: Im Jahr 2015 hatte das Westrand Team zu 7585 jungen Mädchen und Burschen Kontakt.

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Jugendportal.at wurde zuletzt am 11.12.2019 bearbeitet.

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