Umgang im Netz: „halt deine fresse du vollidiot“

Leben
Sarah Maly / 18.10.2018
Hass im Netz

Das Internet hat unser Privat- und Berufsleben nicht nur grundlegend verändert, sondern mittlerweile auch vollkommen im Griff. Sowohl zur aktiven als auch passiven Teilnahme werden zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung gestellt, jedoch bietet das Internet vor allem eines: Angriffsfläche. Ausartende Diskussionen, Beleidigungen, Mobbing und Hass sind keine Seltenheit mehr im Internet. Viel mehr steigen laut einer Forsa-Studie Hass und Hetze weiter an.

Sich in Anonymität wiegend lassen sich Nutzer und Nutzerinnen zu Kommentaren hinreißen, die sie im realen Leben und von Angesicht zu Angesicht nicht von sich geben würden. Wenige bedenken dabei, dass auf der anderen Seite des Bildschirms ebenfalls ein Mensch sitzt. Ein Mensch, der vielleicht nicht die gleichen Ansichten hat, den die Worte aber mehr treffen können als dem Verfasser oder der Verfasserin vielleicht bewusst ist. Ein großes Problem dabei ist auch, dass für viele das Internet ein rechtloser Raum zu sein scheint.

Rechtliche Konsequenzen

Eine unbedachte oder voreilige Äußerung kann zurecht Konsequenzen mit sich ziehen, denn aus rechtlicher Sicht macht es keinen Unterschied, ob ein Delikt im Internet oder in der realen Welt begangen wurde. Verhetzung, das Teilen nationalsozialistischer Inhalte, Cybermobbing, Üble Nachrede, Ehrenbeleidigung, Verleumdung, Kreditschädigung sowie sexuelle Belästigung sind sowohl offline als auch online Straftaten. Besonders betroffen sind Soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram, da die Worte schnell eingetippt und mit einem einzigen Klick noch schneller veröffentlicht sind. Das original auf Facebook veröffentlichte Kommentar „halt deine fresse du vollidiot“ ist definitiv eine harte Aussage, wirkt jedoch im Vergleich zu verurteilten Hasskommentaren harmlos.

"Welche Fachkräfte? Abschieben. Oder Zyklon B. Hat vor 75 Jahren auch geholfen."

(Volksverhetzung, 5 Monate auf Bewährung)

"So gesehen haben die Juden am Holocaust des 2. Weltkrieges auch selber schuld. Vor allem die im Warschauer Ghetto..."

(Volksverhetzung, 5000 Euro Strafe)

"Ich bin dafür, dass wir die Gaskammern wieder öffnen und die ganze Brut da reinstecken."

(Volksverhetzung, 4800 Euro Strafe für mehrere Postings)

Diese Beispiele von Verurteilungen in Deutschland demonstrieren einerseits die Tatsache, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und andererseits, wie Menschen über andere im Internet urteilen und ihrer Wut freien Lauf lassen. Allerdings hinterlassen Nutzer und Nutzerinnen im Netz nicht nur Kommentare über Geschehnisse und andere Menschen, sondern attackieren diese auch persönlich.

Diskussionen in sozialen Netzwerken, besonders über politische Themen, laufen Gefahr auszuarten. Anstelle eines sachlichen Austausches von Argumenten und dem Versuch die Position des jeweils anderen nachzuvollziehen, kommt es oft genug vor, dass User und Userinnen ausfällig werden und mit Beleidigungen sowie Klischees um sich werfen. Vielfach wird dabei das Gefühl vermittelt, dass nur die Schlagzeile und keine Hintergrundinfos gelesen beziehungsweise Kommentare anderer nur überfolgen wurden.

Cybermobbing: strafbar

Noch viel gravierender für die Psyche einer Person als eine entgleiste Diskussion ist Cybermobbing. Diese Form der Schikane ist seit dem 1. Januar 2016 in Österreich strafbar und kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden. Dazu zählen sowohl die öffentliche Verletzung der Ehre als auch die unerlaubte Publikation von Bildmaterial aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich, in deren Folge die Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt ist. Besonders schwerwiegend für Opfer von Cybermobbing ist dabei die Möglichkeit zu jeder Zeit und an jedem Ort gedemütigt zu werden. 24 Stunden am Tag und praktisch überall auf der Welt besteht die Gefahr die nächste Attacke abzubekommen. Weiters entsteht die Problematik nicht nur vor Fremden, sondern auch vor den eigenen Bekannten erniedrigt zu werden. Betroffene sollten eine derartige Situation nicht einfach hinnehmen, sondern mit Vertrauten darüber sprechen und sich professionelle Unterstützung suchen.

Die Hemmschwelle im Umgang gegenüber anderen ist im Internet gesunken. Dies soll und muss sich definitiv ändern, da das Internet ein wichtiger Bestandteil unserer Zeit ist. Menschen sollen sich in der realen Welt und genauso im Internet mit Respekt begegnen.

Sollte dies nicht der Fall sein, gibt es im folgenden nützliche Maßnahmen zum Umgang mit Belästigung und Präventionstipps sowie generelle Hinweise zu strafbaren Delikten im Netz:

 

Weitere Infos

Meldestellen gegen Hass im Netz am Jugendportal

Allgemeines zur Onlinesicherheit 

Strafbare Postings 

Maßnahmen gegen Belästigung 

Sigi Maurer Rechtshilfefonds gegen Hass im Netz

@jugendportal auf Instagram

Jugendportal.at wurde zuletzt am 04.12.2019 bearbeitet.

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